AnonAustria hat nach dem unlustigen Aprilscherz #OpPitdog ihre Glaubwürdigkeit verspielt lautet der Tenor. Allerdings: Welche Glaubwürdigkeit? Würde man einem 16-Jährigen, den man spätnachts in der Grazer Fortgehmeile „Univiertel“ trifft, glauben dass er im Besitz von 10.000 geheimen E-Mails österreichischer PolitikerInnen ist?

Genau aber das passierte bei AnonAustria. Zu verlockend war es, der korruptionsgeschüttelten Innenpolitik noch ein draufzugeben, zu verlockend war es für die Zaungäste zuzusehen, wie die vermeintlichen digitalen Robin-Hoods für Transparenz sorgen. Auf der Strecke blieben vernunftgesteuerte Fragen: Hat nicht Anonymous schon in Vergangenheit öfters spektakuläre Aktionen angekündigt, aus denen nichts wurde?

Ein anderer Aspekt ist ebenso interessant: Freimütig wurde erklärt, auch private Mails zu veröffentlichen. Normalerweise in der Hackerethik ein No-Go und auch schon bei vergangenen Veröffentlichungen von AnonAustria kritisiert, war hier plötzlich kein Problem mehr. An diesem kleinen Beispiel zeigt sich, wie sehr das Ansehen aller österreichischen PolitikerInnen gesunken ist, auch abseits der Krone-LeserInnenforen. Ihnen wird nicht mehr der kleinste Respekt zugebilligt.

Die Überbewertung von AnonAustria entstammte Aufsehen erregenden Aktionen, die technisch betrachtet allerdings auf niedrigem Niveau stattfanden. Eingebrochen wurde auf schlecht gesicherten Webservern mittels billiger SQL-Injections. Mehrere Mailserver zu kompromittieren ohne Spuren zu hinterlassen, ist dann allerdings eine andere Leistungsklasse. Eine Leistungsklasse, die Anonymous weltweit demonstrierte und dabei auch so manches interessante Detail zum Vorschein brachte. Der HBGary-Hack ist dabei ein Lehrstück aus dem Bilderbuch.

Bei Anonymous darf niemals von einer Gruppe, sei sie offen oder geschlossen, gesprochen werden. Zu Anonymous bekennen sich Protestierende gegen Scientology genauso, wie HackerInnen gegen Regimes - aber auch eine Menge reiner MitläuferInnen. Anonymous ist mehr eine Idee, mehr ein Meme, geboren in den Bahnhofsvierteln des Internets. Den Medien und auch den interessierten BeobachterInnen fehlt allerdings die Lust oder die Zeit, sich mit der Geschichte von Anonymous detaillierter auseinanderzusetzen. Die Übertreibung, die Political-Incorrectness, der bitterböse Humor ohne Gnade: die Idee „Anonymous“ wäre dann besser verständlich. Anonymous ist eine digitale Subkultur, die plötzlich in der Öffentlichkeit steht und das Problem hat, dass niemand hier For the Lulz versteht.

Edit 19.12 Uhr: Typos