Mein Start bei den Ironbloggern Steiermark war denkbar holprig. Bevor die erste Zeile geschrieben war, stand ich schon im Minus. Es schien, was ich vorher so unbedingt wollte, später wieder einer meiner vielen Baustellen zu werden. Aber Mo ist streng bei der Sache, da gibt es kein Entkommen. Auch dafür sei ihr gedankt. Sozialer Druck ist der letzte Ausweg, wenn die Selbstmotivation den Bach runter geht.

Das Lesen

Die letzten Tage lag ich krank zuhause, hatte viel Zeit auf Twitter zu lesen und zu schreiben. Was mir dort aber missfällt ist die Kürze (das Feature, nicht der Bug) und die ständige Erregtheit über ThemaX, ShitstormY, GateZ. Dazu trägt natürlich meine Filterbubble bei, auch zu viel Filtersouveränität würde mir zu viel wegkürzen. Was lieber lese ich doch längere, formuliertere Gedanken! Daraus speist sich mein Faible für Blogs. In meinem RSS-Reader tummeln sich um die 140 Feeds, nicht alles wird immer gelesen. Medium, Netzfilmblog, Kotzendes Einhorn, Robotergesetze, Sascha Lobo, FlowingData, Antje Schrupp, rebel:art, NeverMindtheMarkets, ... die Aufzählung beinhaltet vielleicht keine Geheimtipps, aber ich schätze die Gedanken und Empfehlungen, die dort niedergeschrieben werden. Mit Öden will niemand seine Zeit verplempern, mit dem fünften gleichlautenden Rant auf eine Gegebenheit auch nicht. Blogs sind immer subjektiv, aber dadurch ehrlicher. Sie verstecken sich erst gar nicht hinter einer oft fadenscheinigen journalistischen Objektivität. In Ihnen und den Menschen dahinter spiegeln sich die Komplexität, Vielfalt und Widersprüche dieser Welt wider.

Update/Ergänzung: Und natürlich erfüllen sie auch eine wichtige Filterfunktion, um aus den Milliarden an Websites und Ideen jenes herauszufiltern, welches mich interessiert. Und die Developerblogs, die mir Codebeispiele und Tricks liefern, sind wieder eine Sache für sich.

Das Schreiben

Schreiben ist eine Kunst, aber diese kann man lernen. Früher schrieb ich viel, für ÖH-Zeitschriften und für andere Blogs. (Ein paar Lesebeispiele finden sich hier, hier, hier, hier oder auch hier) Jetzt, nach langem Nichtstun merke ich erst, wie schwer mir die Wörter aus den Fingern gleiten. Wo früher geschliffene Sätze sprudelten, fühlt es sich jetzt als Wiedergabe stumpf-dümmlicher Worthülsen an.

Dies soll wieder anders werden. Mich interessiert wendiger das Aktuelle, mehr die distanzierte Beobachtung, den in nur wenigen Bereichen kenne ich mich genügend aus, als das meine schnellen Feststellungen dort einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn hervorbrächten. Zeitloser sind Bücher, vielleicht schafft es auch hin und wieder ein Buch, deren ich viele lese, im Blog vorgestellt zu werden.

Misslungene Versuche zu beginnen, gab es genügend. Auf meinen Geräten lagern einige halbfertige Artikel, die nie zu Ende gebracht wurden. Beiträge, die recherchiert wurden – so zum Beispiel wie Al Jazeera es während des Arabischen Frühlings schaffte, binnen Kürze eine Infrastruktur hochzuziehen, die Millionen an Livestream-SeherInnen verkraftete. Veröffentlicht wurden diese Texte nie, jetzt interessieren sie niemanden mehr. Wie so vieles wurde dies von mir begonnen, mein inneres Kind klatschte dazu kräftig Beifall. Alleine der Abschluss fehlte – wofür dann der ganze Aufwand überhaupt?

Ich hoffe, es wird anders. Nur veröffentlichte Gedanken sind gute Gedanken.