Im März 1998 veröffentlichte Netscape den Source-Code ihres Browsers, aus dem später Firefox entstehen sollte. Eine Dokumentation begleitete die Software-EntwicklerInnen – und zeigt dabei die Sonnen- und Schattenseiten der IT-Firmen im Silicon Valley.

1994 entfachte Netscape mit der Vorstellung des gleichnamigen Browsers den Siegeszug des World-Wide-Webs. Der aufsehende Börsengang ein Jahr später befeuerte die erste Ära der Dot-Com-Startups, doch schon knappe zwei Jahre später war vom Glanz nur mehr wenig übrig. Microsoft stieg spät aber bestimmt in den Browserkampf ein, der in der Dominanz des Internet-Explorers und in einer Verurteilung von Microsoft enden sollte. Rettung gegenüber der Marktmacht von Microsoft verhoffte sich Netscape durch die Veröffentlichung des Browser-Quelltextes als Open-Source. Die Dokumentation „Project Code Rush“ erzählt von den letzten Tagen, in der EntwicklerInnen kämpfen den Release-Termin einzuhalten und den Monaten danach, bis zum Kauf Netscapes durch AOL.

Die Geschichte ist nicht nur jene von Browserkriegen und näher rückenden Deadlines. Sie erzählt auch den Geist des Silicon Valley, von im Büro schlafenden Geeks, die getrieben sind vom Wunsch mit Technologie die Welt zu begeistern und zu verändern. Die Arbeit ist dabei nicht ein Nine-to-Five-Job, sondern eine Selbstberufung, das Unternehmen nicht Arbeitgeber, sondern Community. In diesem Kosmos gedeihen Ideen, finden (vermeintliche) AußenseiterInnen ihre Bestimmung.

„These guys they tend to work very consistently, so they’ll just keep working until it’s done and they won’t stop. They don’t need food, they don’t need sleep.”

Die selbstausbeuterische Arbeitskultur von Silicon Valley ist auch 15 Jahre später noch aktuell, sowohl als Vorbild, als auch Abschreckung. Unternehmen profitieren von jungen Erwachsenen (hauptsächlich Männern), die besonders gewillt sind in Selbstausbeutung zu kippen. Resultat daraus sind Diskriminierungen Aufgrund des Alters und Geschlechts.

Selbst den Absprung aus der Selbstaufopferung zu schaffen, fällt vielen schwer. „I have an agreement with myself“ sagt Projektleiterin Tara Hernandez nachdem ihr Arzt eindringlich riet, weniger zu arbeiten „by the time I’m 35, I’m either going to be high school teacher or bartender but something, anything other than in a position in the high-tech industry“. Ihrem LinkedIn-Profil zufolge brach sie ihr Versprechen. Jamie Zawinski, eine weitere Schlüsselfigur der Dokumentation als auch der Öffnung des Source-Codes bei Netscape, verließ die IT-Branche – und eröffnete einen Nachtclub.

„It’s my last bug. When I complete this bug, I will be allowed to rest.”