Ich begehe ein Sakrileg: Ich finde Jon Stewart finde ich gar nicht so toll – vergleiche ich ihn mit Charlie Brooker. Der britische Satiriker besitzt nicht nur wie sein amerikanisches Pendant das ausgesprochene Talent der Medienöffentlichkeit ihren Spiegel vorzuhalten, der typisch schwarze britsche Humor mit dem Brooker kommentiert (Wikipedia nennt es „satirical pessimism“) trifft dabei meinen Geschmack auch einfach besser.

Neben klassisch-stewardschen satirischem Zerlegen von Nachrichten und TV-Programmen beschäftigt sich Brooker auch intensiv mit Videospielen. Die im November 2013 von Channel4 ausgestrahlte Dokumentation „How Videogames Changed the World“ ist meiner Meinung nach das Beste was je im Mainstream-TV über Computer- und Videospiele lief.



Was diese Dokumentation – neben einer kenntnisreichen Auswahl an Spielen – auszeichnet ist die Einbettung der Videospielgeschichte in ihren (historischen) Kontext und die Kommentare von bekannten Geeks, die Herz an Videospiele verloren. Dabei ist die Doku jedoch nie anbiedernd oder oberflächlich. So wird beispielsweise auf den sexistischen Shitstorm eingegangen, der auf Anita Sarkeesian (Feminist Frequency) niederregnete, als sie sich erdreiste die Rollenbilder in Computerspielen zu hinterfragen. Alles in Allem eine Dokumentation, die sich auch für Nicht-Geeks auszahlt anzusehen um die faszinierende Welt der Computerspiele besser zu verstehen. Und Twitter als „Massively Multiplayer Online Role-Playing Game“ (MMORPG) zu sehen, ist einer der sympathischen Gedankengänge über Social-Media überhaupt.

Wer von Charlie Brooker nicht genug bekommen kann (und das werdet ihr): Auf Videoplattformen eures Vertrauens finden sich neben den oben bereits erwählten Serien auch „How TV Ruined Your Life“ und die Wipe-Jahresrückblicke. Mit der grandiosen Mini-SciFi-Serie „Black Mirror“ bewies Brooker, dass er auch hinter der Kamera ein Ausnahmetalent ist.