Nach dem Vortragsmarathon gestern ging ich es am Tag zwei bisserl gemütlicher an. Dasselbe tat das W-Lan: es viel komplett aus. Nichtsdestoweniger waren die Vorträge qualitativ toll, sodass sich das Nicht-Internet kaum bemerkbar machte. Sehr freute mich, Jillian C. York wiederzusehen, die ich schon auf mehreren Vorträgen erlebte und nicht nur mit ausgesprochen tollem Wissen, sondern auch mit einem lebhaften Vortragsstil zu glänzen weiß.

Bei den Vortragsstilen war ein genereller Kulturunterschied feststellbar: Während sich deutschsprachige ReferentInnen ausnahmslos hinter dem Pult verschanzen, bespielen anglo-amerikanische Vortragende immer die gesamte Bühne. Dies macht das Zuhören nicht nur angenehmer, weil auf der Bühne immer etwas passiert, auch verfallen die Vortragenden nicht ins Power-Point-Ablesen. Kann diesen Kulturunterschied noch jemand bestätigen?

Der Fail des Tages (der re:publica?) war der "Vortrag" von Julia Schramm und Julia Seeliger. Die gedachte Mischung aus Publikumsbeschimpfung und Real-Live-Trolling ging nicht auf. Mittendrin wurde auf seriös gewechselt, statt Trolling kam es nur Arroganz rüber, der Versuch, aus dem Publikum Trollkommentare zu provozieren (vielleicht auch deshalb der  thematische Überbau "Feminismus") schlug fehl - aber sowas von. Wie es @achimbaur auf Twitter meinte: "Troll-Session mit @laprintemps und @zeitrafferin. Fühle mich, als hätte ich einen Autounfall miterlebt. Weiß nicht, wer das Auto war."

Beim Transkript gilt wieder: Roh-Mitschrift, Englisch/Deutsche-Misch-Masch, kein Gewähr.

 

Threats to Free Expression in the Middle East and North Africa

Jillian C. York, Sessioninfo

Die Entwicklungen der Internet-Zensur und Websperren: Jillian C. York als "Director of International Freedom of Expression" in der Electronic Frontier Foundation (EFF) ist eine Expertin auf diesem Gebiet.

A Webpage is a Book

Adam Hyde, Sessioninfo

Kann man ein Buch ähnlich wie eine Website erstellen? Adam Hyde referiert über kollaboratives Schreiben, BookSprints und offene Publishing-Kultur.

Media Ecology and the Occupy Movement

Sasha Costanza-Chock, Christine Schweidler, Sessioninfo

Diese Session bestand aus zwei Teilen: Christine Schweidler referierte über die interne statistische Auswertung der Occupy-Bewegung und ihrer Mitglieder während sich Sasha Costanza-Chock über die Berichterstattung in den Medien und dem Umgang von Occupy mit den Medien widmete. Bericht von heise.de / Occupy Research General Survey

Dark Side of Action

Anwen Roberts, Stephan "Tomate" Urbach, tante, Sessioninfo

Digitaler Aktivismus war nicht nur heuer das bestimmende Thema der re:publica. Was aber, wenn der Aktivismus zum Burn-Out führt? Telecomix war ein AktivistInnennetzwerk zur Umgehung von Netzsperren rund um den Arabischen Frühling. Stephan Urbach war ein Teil dieser Gruppe - bis er am Rande seiner physischen Existenz stand. Ein beklemmender Vortrag, der aber auch einen Ausblick darauf gab, wie sich AktivistInnen vor Depressionen und Burn-Outs schützen können.

Trollen oder getrollt werden – das ist hier die Frage! / Female Trolling – Ja oder Nein?

Julia Schramm, Julia Seeliger, Sessioninfo

Siehe oben.

Royal Revue III – Das große Finale

Markus Herrmann, Nilz Bokelberg, Sessioninfo

Das Motto lautete: "Wenn es unterhält – dann ist es Unterhaltung!" und so war es dann auch: Die beiden präsentierten uns ihre Version eines neuen Social-Networks. Vergnügliche zwei Stunden mit Geek-Humor.