Die re:publica ist umgezogen und der Ortswechsel ist mehr als geglückt. Nachdem man im letzten Jahr mehr als über die Kapazitätsgrenzen der Räumlichkeiten gegangen ist, fand man einen neuen Ort: Die Station Berlin mit 20.000m² Veranstaltungsfläche. Obwohl über 1000 Tickets mehr verkauft wurden und sich insgesamt 4000 Menschen in den Hallen tummeln, entsteht kein Gefühl der Beengtheit. Keine Vortragsaal, der wegen Überfüllung geschlossen werden musste. Dazu beitragen auch die 8 verschiedenen parallelen Tracks mit der die re:pubica 2012 auch thematisch gewachsen ist.

Eine Professionalisierung fand nicht im Ort, sondern auch vom Inhalt her ab. Kleinere Vorträge und Unausgegorenes gibt es nur noch verzeizelt, es dominieren die großen Namen und großen Themen. Dies darf nicht negativ, versammeln sich doch sonst nirgends in Europa so hochkarätige Vortragende an einem Ort. Unprofessionell wirk nur das W-Lan. Es ist ein Glücksfall, ob man ins Internet kommt und das Glück war mir nicht immer hold. Ironischerweise gibts auf dieser re:publica eine analoge Twitterwall, bei der Tweets ausgedruckt plakatiert werden.

Neben den einleitenden Worten der Organisatoren bei der Eröffnung sprach auch der Berliner Wirtschaftssenator. Er gab unfreiwillig auch die Antwort darauf, ob die Politik das Internet und digitale Szene versteht: Ein eindeutiges Nein. Zur Rede nur soviel: Der erste Bullshit-"Bingo"-Ruf aus dem Publikum kam nach wenigen Minuten.

Meine besuchten Vorträge tippte ich mit, es fehlt mir jedoch die Zeit, das Wirr-Warr in ganze Sätze zu formen. Daher gibts nur die Roh-Mitschrift, teilweise nur Stichworte, teilweise ausformulierte Zitate. Das Englisch/Deutsche-Misch-Masch erklärt sich durch die größtenteils englischen Vorträge. Und meine Billig-Digicam macht richtig schlechte Fotos in den dunklen Vortragshallen.

Why Freedom of Thought Requires Free Media and Why Free Media Require Free Technology

Eben Moglen, Sessioninfo

Ein grandioser Eröffnungsvortrag zur schleichenden, aber effektiven Abschaffung der Privatsphäre: "Wir könnten die Generation sein, die den Gedanken der Meinungsfreiheit vollendenten. Wir müssen dies erreichen, zuviele sind für diese Idee gestorben. Wir dürfen nicht versagen." Heise.de über den Vortrag

Der wandelnde Computer-User - Utopien der mobilen Vernetzung (1945-2012)

Jana Herwig, Susanne Zöhrer, Sessioninfo

Geschichte des Computer-Users in Gesellschaft und Werbung

Deliberation 3.0 - Das Gespenst der digitalen Demokratie geht um

Julia Schramm, Bertram Keller, Steffen Albrecht, Jennifer Paetsch, Sessioninfo

Wie gehts mit der (direkten) Demokratie weiter? Rettet die digitale Partizipation unsere Demokratie? Eine Podiumsdiskussion mit und zwischen Piratenpartei, Zivilgesellschaft und der Kritik daran.

The beauty of interaction

Patrizia Marti, Sessioninfo

Wie Innovationen und intelligentes Design unser alltägliches Leben bereichern kann.

Open Innovation in the Public Sector: Open Cities

Ivonne Jansen-Dings, Katalin Gallyas, Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker, Sessioninfo

Möglichkeiten für Städte und Kommunen durch Open-Innovation und Freigabe von Daten (Open-Data)


Make Love Not Porn - Real World Sex Meets Technology In The 21st Century

Cindy Gallop, Sessioninfo

Pornographie ist durch das Internet allgegenwärtig. Damit steigen die "Erwartungshaltungen" im Bett und gleichzeitig projezieren Pornos die rein männliche Sichtweise auf Sex wieder. Cindy Gallop will das, ohne Pornographie zu verteufeln, mit makelovenotporn.tv ändern und unabhängigen PornoproduzentInnen und neuen Ideen eine Chance geben.

Bestes Zitat des tollen Vortrags: "Porn zur Aufklärung zu verwenden ist als würde man "The Fast an the Furious" zum Autofahren lernen benützen."

Rockstars und Mimosen – Wie die deutsche Blogosphäre veramerikanisiert wird

Sascha Pallenberg, Sessioninfo

Die Bloggerszene in Deutschland wird bald von deutschen Ablegern der großen US-Blogs überrollt, urteilt Sascha Pallenberg (Netbooknews.de/.com). Den Grund sieht er in der fehlenden Kooperation und Vernetzung, auch kreidet er die mangelnde Professionalität an. (Keine Mitschrift, Notebook war da grade in der Ladestation)

Überraschungsvortrag

Sascha Lobo, Sessioninfo

Zwar nicht ganz so lustig wie letztes Jahr, trotzdem sehr unterhaltsam und den Finger mehr in die Wunde legend, was die Netzgemeinde leisten soll: Der Vortrag von Sascha Lobo war wieder ein würdiger Abschluss des ersten re:publica-Tages