„We don’t want everything for free – we just want everything“ ist der schlaueste Satz, der je zum wandelnden Medienkonsum gesagt wurde. Dass er aus dem Munde einer 15-Jährigen stammte, verdeutlicht das Missverständnis zwischen AnbieterInnen und KundInnen umso mehr. Langsam reagieren auch die Angebote am Markt auf die Wünsche der KonsumentInnen. Kombiniert man diese, erhält man mittlerweile ein Angebot, das sich bislang politisch nicht umsetzen lies: Die digitale Kulturflatrate.


Via Kraftfuttermischwerk

Festplattenabgabe – wofür?

Veränderungen bedingen die Verdrängung des Alten. Dies mag schmerzhaft sein für jene, die die Veränderung ablehnen, weil sie es sich im Alten gemütlich eingerichtet haben. In diese Kategorie fällt wohl „Kunst hat Recht“, die eine „Leerkassettenabgabe“ auf Festplatten und Speichermedien ausgeweitet sehen will. Neben vielen anderen Gründen, die gegen ein solches Vorhaben sprechen – so werden Speichermedien mitnichten nur zur Vervielfältigung fremder kultureller Werke verwendet – sind es auch die verändernden Konsumgewohnheiten, die eine solche Abgabe antiquiert erscheinen lassen.

Medien as a Service

Während sich die Medienindustrie lange mit Händen und Füßen gegen neue verbraucherfreundliche Angebote wehrte, standen bequem nutzbare und großzügige – aber illegale – Angebote griffbereit zur Verfügung. Der Erfolg von iTunes und Spotify verdeutlichte, dass für legale Angebote die VerbraucherInnen sehr wohl bereit sind zu zahlen – sofern diese bequem und kundInnenfreundlich nutzbar sind. Downloads aus illegalen Quellen sind im Gegenzug seither abnehmend.

Aber auch an anderer Stelle zeigt der veränderte Medienkonsum Auswirkungen. Sichtbar ist dies im Musikbereich, bei dem die vielfältige Angebots- und AnbieterInnenauswahl schon länger existiert. Der Kauf von Alben geht spürbar zurück, nicht aber aufgrund illegaler Vervielfältigung: Pauschale Streamingdienste ersetzen hier den Kauf von Alben (und einzelnen Songs).

Wir basteln uns eine Kulturflatrate

Die bekannteste Vertretung des „All-you-can-eat“ im Medienbereich ist sicher Spotify, für 10 Euro monatlich erhält man Zugriff auf 20 Millionen Musikstücke. Bei Filme und Serien steht der Österreichstart von Netflix vor der Tür. Preise wurden noch nicht verlautbart, dürften aber unterhalb von 10 Euro monatlich starten. Schwieriger wird es bei Büchern: Neben Angeboten von Fachverlagen ist sicher Amazon Kindle Unlimited der heißeste Anwärter in der KundInnengunst. Kindle Unlimited hat mit der Zeitschriften-Flatrate „Next Issue“ etwas gemein: Verfügbar sind beide Angebote derzeit nur in den USA – ob diese Angebote jemals auf den fragmentieren europäischen Markt kommen steht leider noch in den Sternen (Genauso übrigens welche Inhalte uns Netflix im deutschsprachigen Raum bieten wird).

Ignorieren wir kurz die Ländergrenzen, bietet eine Kombination dieser Angebote für ca. 45 Euro monatlich mehr, als je ein Mensch konsumieren könnte. Die Kosten liegen zwar immer noch deutlich über dem, was durchschnittlich in Österreich pro Monat für Musik, Bücher, Filme und Zeitschriften ausgegeben wird, sind aber im Bereich des Bezahlbaren.

Streaming statt Privatkopie

Perfekt ist keines der Angebote. Selbst Spotify fehlt die eine oder andere Lieblingsband, bei Zeitschriften und Büchern können sich die Verlage auf ein umfassendes Angebot noch weniger einigen. Weniger zählt für mich der Einwand, dass alle Angebote kopiergeschützt sind, eine Weitergabe und permanente Speicherung damit unterbunden wird. Besitz wird unwichtiger, was zunehmender zählt ist die flexible Zugriffmöglichkeit auf das Gewünschte. Damit läuft auch die Argumentation der AbgabenbefürworterInnen endgültig ins Leere: Wenn alles On-Demand aus der Cloud gestreamt und nichts mehr gespeichert wird – wozu braucht es dann nochmal eine Festplattenabgabe?

Tatsächlich geht es aber nicht nur um die Privatkopie. Die veränderten Angebote wirken sich auch auf die Einkommen von KünstlerInnen aus. Während früher Plattenverkäufe den Lebensunterhalt sicherten, bringen legale Streamingangebote kaum genügend Einnahmen. Die pauschale Verrechnung als Flatrate ist allerdings auch der einzige ernstzunehmende Distributionsweg für digitale Güter: Digitales sind nicht-exklusiv und die Reproduktionskosten jeder Kopie liegen bei Null. Die früheren Einschränkungen des Analogen sind Vergangenheit und damit auch die dazugehörigen Geschäftsmodelle. Profitieren werden jene, die diese Herausforderung annehmen und nutzen – gerade im Kulturbereich bieten Konzerte, Lesungen, Merchandising und anderem ein attraktives Umfeld, das auch schon zu Vor-CD-Zeiten funktionierte.

Die digitale Revolution lässt neue Services entstehen und Altes verschwinden. Egal ob Taxis, Öffentlicher Verkehr oder Musik: Die Veränderung mag auf individueller Ebene schmerzlich sein, aufhalten lässt sie sich jedoch nicht.