Ich muss mich entschuldigen. Bei all jenen, die warten dass ich mal wieder melde. Bei all jenen, denen ich manches zusagte und nun warten, dass es passiert. Bei all jenen, wo dringend Dinge fordere, weil ich selbst knapp vor einer Deadline stehe.

Menschen, die mich kennen wissen, dass das eigentlich jetzt keine berichtenswerte Neuigkeit wäre. Als jemand, dem eine Aufgabe nicht genug ist und lieber zwei drei andere Dinge auch noch macht. Eigentlich mag ich es so.

Aber langsam überkommt mir das Gefühl, dass ich es übertreibe. Auf meinen Festplatten liegen dutzende halbfertige Blogbeiträge, halb geschliffen formuliert, fast zu schade zum Wegwerfen aber auch schon komplett outdated. Auf meinem eBook-Reader übersteigt die Anzahl der un- & halbgelesen Bücher die der gelesenen, viele meiner E-Mails beginnen nur mehr mit „Sorry, dass ich jetzt erst antworte“. Und die Liste jener Menschen, die ich unbedingt mal wieder anrufen, sehen, will wird immer länger.

Dies soll jetzt nicht traurig oder gar depressiv klingen. Ganz im Gegenteil: Ich arbeite in einer Firma, die mir Freiraum und Vertrauen gibt. Ich leite eine Zeitschrift, die ich gestalten und verwirklichen kann. Und die politische Bewegung, deren Mitglied ich bin, könnte es schaffen Akzente zu setzen (trotz allem). Daneben gibt es noch die vielen kleinen und kleinsten Dinge – hier ein E-Mail, dort eine Text, da ein Tweet und dann manchmal den Tag am Traktor verbringen oder eine Konferenz besuchen. Im Großen und Ganzen schuf ich mir eine Umgebung die mich entfalten lässt, die meine Vorzüge fördert ohne meine negativen Eigenheiten zu sehr auffallen zu lassen.

Geprägt ist diese Latte an Aufgaben durch Verzicht und fehlende Rücksicht. Nun schon das fünfte Wochenende in Folge durcharbeitend, verspricht wenig Zeit für sich und andere. Energydrinks nur noch Palettenweise zu kaufen und durchgewachte Nächte vor dem Computer zu verbringen empfehlen selten die Lebensratgeber. Irgendwann geht ein solcher Lebensstil sowieso nicht mehr. Trotzdem fällt es schwer von diesen Dingen zu lassen. Ein einfaches „Nein“ kommt kaum über die Lippen, zu spannend sind die bevorstehenden Aufgaben, ein Loslassen geht nicht. Ein cooles Projekt in der Firma, die nächste „Libelle“ oder eine Presseaussendung wollen gemacht werden. Im Ignorieren, dass der Tag auch für mich nur 24 Stunden, hat bin ich mittlerweile ziemlich gut.

Auf der Strecke bleiben die Anderen. Glücklicherweise ernte ich größtenteils Verständnis, wenn Unwissende meine Zeitdefinitionsspanne von „bald“ entdecken (5 Minuten bis 5 Jahre). Wenn ich einen Text dringend brauche, weil der Drucktermin naht. Wenn Monate hinweg kein Lebenszeichen von mir kommt, obwohl interessante Dinge passieren.

Danke.
Das ist eigentlich dass, was ich sagen wollte.

Aber fragt bitte nicht ob und wie es sich ändert, ändern muss oder soll. Das weiß ich jetzt selbst nicht.