In den Anfangstagen des Internets waren viel weniger Frauen als Männer im „World-Wide-Web“ anzutreffen. Diese Zeiten haben sich zum Glück geändert. Mit dem Durchbruch des Webs als Massenmedium verschoben sich auch die Geschlechterverhältnisse. Im „Social-Web“ haben Frauen schon die Führungsrolle übernommen.

Detailliertes Zahlenmaterial liefert die Studie „Women on the Web“, veröffentlicht im Juni 2010. Betrachtet man die globale InternetBenutzung, kann hier noch von einem Gender-Gap gesprochen werden: Erst 46 % aller Internet-NutzerInnen weltweit sind weiblich. Im Gegenzug verbringen Frauen allerdings 8% mehr Zeit online als Männer. Online genutzt werden von Frauen hauptsächlich SocialNetworks, E-Mail und Instant-Messaging. Aber auch in der Benutzung von Blogs oder Ausbildungs-Websites liegen Frauen (knapp) vor Männern. Betrachtet man die Verteilung der Geschlechter auf großen Social-NetworkingPlattformen, so kann bei Mainstream-Portalen eine Mehrheit an weiblichen UserInnen festgestellt werden – bei Facebook sogar ganz deutlich: über 60% aller UserInnen sind hier Frauen. Auch bei der Microblogging-Site Twitter sind 55% der BenutzerInnen weiblich. Noch nicht die Mehrheit an den UserInnen stellen sie auf dem in den USA sehr beliebten Karriereportal linkedin.com und der Social-Bookmark-Plattform delicious.com. Beide Plattformen haben noch eine dünne männliche UserInnenmehrheit. Als Datenbasis für diese Zahlen diente Google AdPlanner.

Über das biologische Geschlecht hinaus

Bei der Erstellung eines Online-Profiles, sollte eigentlich das biologische Geschlecht gar nicht so wichtig sein. Genau diesen Umstand trägt der Facebook-Konkurrent Diaspora auch Rechnung. Das „Gender“-Feld beschränkt sich dort nicht auf eine Auswahl zwischen „männlich“ oder „weiblich“ – es ist schlicht ein freies Textfeld, das die Eingabe beliebiger Begriffe ermöglicht. Das Blognetzwerk Metafilter, das dies schon lange erlaubt, veröffentlichte sogar eine Liste der eingegebenen Begriffe. Von den 9.325 UserInnen, die bei Metafilter das Gender-Feld ausfüllten, beantworteten nur knapp die Hälfte die Frage eindeutig mit „male“ oder „female“. Der Rest zeugt manchmal von mehr („english gentleman“) und manchmal von weniger („not male“) Kreativität.

Dass sich eine freie Texteingabe im „Gender“-Feld schnell durchsetzten wird, darf leider stark bezweifelt werden – lassen sich doch solche Felder nur schwer für Marketingzwecke auswerten. Und die Marketingabteilungen sind leider noch ganz versessen darauf, nach Geschlechtern zu trennen.

Erschienen im URBImagazin 02/11