Wie ist es eigentlich um die Qualität unseres Essens bestellt? Umweltschutzskandale und kritische Berichte über industrielle Landwirtschaft lassen nichts Gutes vermuten. Wahr ist jedoch, dass sich in Lebensmitteln größtenteils keine Pestizide nachweisen lassen.

Vogelscheuche
Garantiert nicht im Essen nachweisbar: Vogelscheuche / CC BY-NC-ND

78.390 Proben aus ganz Europa

Wenig Beachtung fand eine groß angelegte EU-Lebensmittel-Studie, deren Ergebnisse im Dezember 2014 veröffentlicht wurden. Lebensmittelproben aus dem gesamten EU-Raum, inkl. Norwegen und Island, wurden auf Grenzwertüberschreitungen bei Pflanzenschutzmittel getestet. Insgesamt waren es 78.390 Proben aus 29 Ländern, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und nationalen Programmen analysiert wurden.

Die gute Nachricht: In 97,1% aller Proben lagen die Pestizidrückstände (deutlich) unterhalb der erlaubten Grenzwerte. Während bei 3,1% aller konventionellen Lebensmittel die Werte überschritten wurden, lag dieser Anteil bei Bio-Lebensmittel lediglich bei 0.8% und bei Babynahrung bei 0,6%. Erhöhte Grenzwerte finden sich signifikant mit 7,5% bei importieren Lebensmitteln aus Drittstaaten.

0,02% wären bedenklich – äße man sehr viel davon

Eine Grenzwertüberschreitung stellt noch kein Gesundheitsrisiko dar [1] – mit großem Sicherheitspuffer sind die Werte festgelegt. Ein kurzfristiges Risiko konnte lediglich in 0,02% der Fälle festgestellt werden – eine Gesundheitsgefährdung wäre hier bei regelmäßigem kiloweisen Verzehr der belasteten Lebensmittel nicht auszuschließen. Langzeitfolgen durch Pestizide in Lebensmitteln sieht die EFSA in keiner Form gegeben.

Pestizide oft überhaupt nicht nachweisbar – auch bei Nicht-Bio

Das die verantwortungsbewusste Verwendung von Pestiziden funktioniert, zeigt aber ein andere Zahl deutlicher: In 53% aller Proben konnten keinerlei Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen werden – bei Bio-Lebensmitteln lag dieser Anteil bei 85%.

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Bio-Lebensmitteln bedeuten übrigens keineswegs, dass heimlich Pestizide ausgebracht wurden oder die Kontrollen nicht funktionieren. Im Bio-Landbau sind ausgewählte Schutzmittel erlaubt (bspw. Spinosad, ein Insektizid), hauptsächlich dürfte es sich aber um Rückstände aus Prä-Bio-Zeiten handeln.


[1] „Rückstandshöchstgehalte sind in erster Linie juristische Grenzwerte, keine toxikologischen Grenzwerte.“ [Quelle]

Download der Studie „European Union Report on pesticide residues in food“