"Wenn man an Playboy denkt, denkt man unweigerlich an Frauen" meint Beting Dolor, Chefredakteur der philippinischen Ausgabe des „Playboy“. Und dies darf als weltweite Meinung gelten: Der „Playboy“ ist nicht nur in Männer-Köpfen untrennbar verbunden mit viel nackter Haut und seinem Erfinder: Hugh Hefner.

Ausgerechnet in einem konservativen Eck Amerikas erblickte jener Mann die Welt, der heute vielen als Inbegriff der Sünde gilt. Am 9. April 1926 wird Hugh Marston Hefner als erster Sohn in eine Lehrer-Familie hineingeboren, die er später als „gefühlsarmes Methodistenheim“ bezeichnen wird. Sein Vater hatte im Stammbaum William Bradford, den Führer der Auswanderer vom Schiff Mayflower. Jener Bradford, der Vergnügen wie Tanz und Wirtshaus ablehnte, für den Sex außerhalb der Ehe und nackte Haut generell ein Werk des Teufels ward. Es darf als Ironie in die Geschichte eingehen, dass solch ein Mann einen Nachfahren wie Hugh Hefner erhielt.

Vorgezeichnet war sein Weg jedoch nicht und über Hefners Jugendjahre sind weder Partyexzesse noch Frauengeschichten übermittelt, seine Unschuld verlor er nach Selbstaussage mit nicht mehr ganz jungen 22. Dem amerikanischen Durchschnitt folgend diente er in der US-Army, schloss ein Psychologie-Studium ab, arbeite anfangs als Werbetexter und heiratete ganz spießbürgerlich. Die Ehe mit seiner früheren Kommilitonin Mildred Williams hielt ganze 10 Jahre, zwei Kinder entstammten daraus. Doch sein Drang nach Unabhängigkeit veranlasste Hefner 1953 selbst unternehmerisch tätig zu werden, sich seinen Traum von Hochglanzmagazin für Herren zu erfüllen. Ein glückliches Händchen bewies er mit der Wahl seines ersten Titelmädchens: Marilyn Monroe, damals erst am Anfang ihrer Karriere. Und sie sollte nicht die Einzige bleiben, die mit Nacktfotos im „Playboy“ sich ins Gerede brachte.

Journalismus jenseits der Bildunterschrift

Wenn der „Playboy“ eine Institution ist, dann auch als Lieblingshassobjekt religiöser Fundamentalisten, rechter Tugendenbewahrer und linker Feministen, die mit unterschiedlichsten Mitteln – vom Boykottaufruf bis zum Molotowcocktails – gegen die Nackerten zu Felde zogen. Was gerne jedoch übersehen wird, ist der Journalismus des „Playboy“. Natürlich denken nur wenige, wenn sie den Magazinnamen hören, an Text aber es gelang dem Heft mit legendären Interviews – Jimmy Carter etwa oder John Lennon und Yoko One kurz vor dem Tod Lennos – und enthüllende Reportagen sich auch journalistisch einen Namen zu machen. Dies erklärt auch, warum das Magazin bis heute in Ländern mit fehlenden demokratischen Rechten wie China und Singapur, sowie wohl mehr aufgrund seiner Fotos, in allen muslimischen Ländern (ausgenommen Türkei) bis heute verboten ist. In Europa lässt sich beispielsweise das Ende der Franko-Dikatatur am erstmaligen Erscheinen des spanischen „Playboys“ im Jahre 1978 ablesen.

Aber auch in US-Amerika selbst bewies das Magazin stets Progressivität: Schon in den 1960er Jahren saßen Afroamerikaner gleichberechtigt auf dem Sofa der „Playboy-Show“, was dazu führte dass die TV-Show in den amerikanischen Südstaaten nicht ausgestrahlt wurde. Und seit 1965 unterstützt die „Playboy-Foundation“ gemeinnützige Non-Profit-Organisationen, die sich für Meinungsfreiheit und sexuelle Toleranz einsetzen. Das der „Playboy“ auch in Brailleschrift für Blinde erschien, mag man als Gag abtun, aber produziert wurde die Ausgabe, in der die Bilder nicht „abtastbar“ waren, über 15 Jahre lang.

Der inszenierte Mythos lebt weiter

Das Imperium des Hugh Hefner verliert jedoch zunehmend an finanzieller Strahlkraft. Kostenlose Internet-Bildchen und die Krise des Journalismus setzen Unterhaltungskonzern „Playboy Enterprises“ stark zu. Wenngleich der US-Playboy mit einer 2,6 Millionen-Auflage noch immer das meistverkaufte US-Herrenmagazin ist, ist man weit von jenen 7,1 Millionen entfernt, die das Magazin im November 1972 noch an den Mann brachte.

Und trotzdem hält sich der Mythos „Playboy“ weiter aufrecht, ein Mythos, den Hugh Hefner gerne selbst zelebriert. Zeitweise mit bis zu sieben Frauen auf seinem Anwesen „Playboy-Mansion“ zusammenlebend, verkündete er nun, wieder zu heiraten. Seine Verlobte Crystal Harris, „Playmate Dezember 2009“, ist mit 24 Jahren gut ein Viertel so alt wie Hefner. Als Frauenheld kennt man ihn und doch betrachtete er sich immer mit einem gewissen Augenzwinkern und Selbstironie, stets seinem Hedonismus treu bleibend. Inszeniert, wie die aufwändigen Akt-Fotos in seinem Magazin. „Das Unternehmen Playboy war von Anfang an eine Projektion meiner Träume und Phantasien. Irgendwann bin ich dann zur lebenden Verkörperung dieser Idee geworden. Und ich gebe mein Bestes, diese Rolle auszufüllen.“, sagte Hefner einmal gegenüber dem „Spiegel“.

Er ist damit längst selbst eine Institution und ein Produkt seiner selbst. In einer Umfrage nennen US-Amerikaner ihn im selben Atemzug mit Benjamin Franklin und Walt Disney. Den amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär verkörpert Hugh Hefner wie kein anderer vor ihm. Die Strahlkraft von einem, der nicht als Lebemann geboren wurde, sondern sich selbst dazu machte. Happy Birthday!