Über 1000 Vollblutnerds treffen sich in einer Halle: Kann da Kunst entstehen? Ja und welche! Ein Nachbericht zum Revision Demoscene-Party.

Seit 2008 sind Computerspiele sind offiziell als „Kulturgut“ in Deutschland anerkannt, jedoch begegnen klassischen Medien Computerkunst meist noch naserümpfend: Spiele und Animationen dienen doch alleine zur Unterhaltung, Kulturpessimisten sehen darin gar den (wiederholten) Untergang des Abendlandes und eine Verrohung der Jugend.

elevated by Rgba & TBC (4 Kilobyte)

Übersehen wird die seit Jahrzehnten im verborgen werkelnde Demoszene, eine digitale Subkultur, entstanden aus den Spielecrackern der 1980er Jahre. Vor den gecrackten Spielen wurden „Intros“ geschaltet, den Ruhm der Crackergruppen manifestierend. Später wurden die Intros ausgefeilter und unabhängiger von Spielen, deren Kopierschutz man sich entledigte.

Dass die Wurzeln in der 8-Bit-Heimcomputerszene liegen, merkt man heute noch deutlich: 30 Jahre nach dem Erscheinen des Commodore C64 und 25 Jahre nach dem Amiga 500 sind die vermeintlichen Oldtimer heute noch fester Bestandteil der Demoszene, schallende „AMIGAAAAA“-Schreie ebenso. Die Geräte alterten mit ihren Besitzern: Im Vergleich zu einer Lanparty ist das Publikum reifer, Familienväter sitzen mit ihrem Nachwuchs hinter blau beleuchteten Bildschirmen. Die Technik blieb 30 Jahre lang gleich, die Animationen sind jedoch deutlich komplexer geworden. Undokumentierte Funktionen entlocken graphische Fähigkeiten, die ursprünglich so nicht geplant waren. Neben Vintage-Computern entlockt man auch allen anderen elektronischen Geräten Animationen: von Hardware-Hacks bis zu Gameboys spannt sich das Feld der Bastler.

fr-041: debris by farbrausch (177 Kilobyte)

Jünger sind die Programmierer in der PC-Kategorie, die heute die Demoszene dominiert. Die Leistungsfähigkeit moderner Computer wäre leicht ausreichend, gigabytegroße Daten zu verarbeiten. Kreativität entsteht jedoch durch Verknappung und so verwundert eine Selbsteinschränkung kaum. Zur Königsdisziplin zählt heute, eine Demo in 64 oder gar nur 4 Kilobyte zu zwängen. Platz finden müssen im knappen Speicher alles, auch Graphiken und Sound. Anzumerken ist das vielen Demos nicht: Beeindruckende Animationen werden in Echtzeit ausgeführt. Kritikpunkt bleibt manchmal das Storyboarding: Im Vordergrund stehen beeindruckende Effekte und basslastiger Sound, eine Geschichte erzählen nur die wenigsten Demos.

Chaos Theory by Conspiracy (64 Kilobye)

Sound und Design erinnern an kapitalstarke Produktionen und dennoch spielt das Geld eine nebengeordnete Rolle: Es gilt mit anderen Gruppen sich zu messen, den Ruhm einzustreifen (und auch ein bisserl Preisgeld). Demopartys sind aber auch ein Jobcenter, Programmierstudios werben hier gerne um talentierten Nachwuchs. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Demoszene ein europäisches Phänomen mit hauptsächlicher Verbreitung in Nord- und Mitteleuropa. In Fennoskandinavien finden dementsprechend die größten Demopartys statt: Die Assembly in Helsinki und The Gathering in Norwegen.

Einen informativen Blick in die Demoscene bietet die Dokumentation „Moleman 2 - Demoscene - The Art of the Algorithms“