Das Problem in Österreich: Den Widerstand gegen Rechts schultert eine kleine Gruppe, weil sich viele daran nicht beteiligen oder beteiligen wollen.

Thomas Knapp und Heimat ohne Hass formulierten ihre Gedanken zu dem, was vorigen Samstag im Rahmen der Proteste gegen den Marsch der Identitären geschah. Eine Beobachtung merkte ich Rahmen der Diskussionen hierzu: Abseits der Linken wird das Auftreten auf der Straße gegen Rechts in Frage gestellt, oft vermengt mit der Aufforderung sich von gewaltbereiten Demoteilnehmenden zu distanzieren. Dies von einer Gruppe zu fordern, die Solidarität als hohes Gut wertet und sich von einer gegen sie eingestellten Öffentlichkeit nicht auseinanderdividieren lassen will, kann nur in Unverständnis münden. Auch die Aufforderung selbst ist eine fragliche: Niemand käme auf die Idee, von allen StadionbesucherInnen eines Fußballvereines eine Distanzierung zu verlangen, weil ein paar Hooligans zu prügeln beginnen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Leute, die im Rahmen einer Demo grundlos randalieren sind für mich Idioten – die auch der Bewegung schaden. Sie liefern den Medien jene Bilder die sie wollen um den gesamten Protest zu verurteilen und spielen sowohl den Rechten, als auch der Rechtfertigungsstrategie der Polizei in die Hände. Aber bitte bleiben wir auch bei den Verhältnissen: Es sind nimmer nur Einzelne, für die auch in der Bewegung wenig Verständnis herrscht. Übersehen werden darf auch nicht, dass so gut wie alle Demonstrationen vollkommen friedlich ablaufen.

Weil ihr schweigt, müssen andere demonstrieren.

Die alljährliche antifaschistische Demonstration in Braunau/Inn gleicht einer ritualisierten Wallfahrt linken Splittergruppen. Neben Mao-Flaggen und Stalin-Gutfindern zu marschieren ist nicht das, was ich mir wünsche, aber auch schon tat. Denn trotz kontrahären politischen Visionen ist es gut, dass etwas passiert. Dass nicht still gehalten wird und die zunehmenden Provokationen unwidersprochen bleiben, in einem Land, in dem Schweigen als die präferierte Strategie empfunden wird, in dem man das Fenster nach Rechts nicht zumachen will und es Kampagnen vom Boulevard setzt.

Das ist das eigentliche Dilemma. Antifaschismus müsste eigentlich bis weit in die Mitte der Gesellschaft reichen. In deutschen Bündnissen, wie Kalk/Köln bleibt bunt oder Bonn stellt sich quer stellen sich Linke, Bürgerliche, Liberale und „Unpolitische“ gemeinsam rechten Strömungen entgegen. Gemeinsam, abseits aller unterschiedlichen Ideologien.

Vielleicht braucht es aber auch – kreative und lustvolle – Protestformen wie einer Hedonistischen Internationalen, die neue Möglichkeiten zum Andocken für bislang Uninteressierte schaffen. Dem Antifaschismus würde dies sehr gut tun. Sähen doch dann alle die Breite der Bewegung und wären medial auch nicht mehr reduzierbar auf eine Gruppe von vermeintlich Gewalttätigen.