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Technologie, Landwirtschaft und eine Prise Politik.

Die Urheberrechtsdebatte geht (immer) am Kern vorbei.

Entstanden ist dieser Beitrag aus einem Falter-Streitgespräch zwischen der Musikerin Clara Luzia und Piraten-Bundesvorstandsmitglied Patryk Kopaczynski, einer anschließenden Debatte auf Facebook, gespeist aus den Eindrücken der diesjährigen re:publica.

Das Problem bei Debatten um Urheberrecht (und der Einstellung der Piraten zur Sache) ist, dass diese leider fast immer am Kern der Sache vorbeigehen. Digitales Kulturgut lässt sich beliebig oft und verlustfrei reproduzieren. Oder wie Dirk von Gehlen es nennt: Das Original als solches wird in Frage gestellt.

Das Kopieren von Musik und Filmen, teilweise auch schon bei Büchern, stellt dabei nur den Beginn einer neuen Epoche dar. Boomende 3D-Drucker lassen es nur eine Frage der Zeit erscheinen, bis auch reale Gegenstände beliebig vervielfältigen werden können. Der Zug der Digitalisierung ist abgefahren und lässt sich nicht mehr stoppen – darüber bräuchten wir eigentlich nie wieder diskutieren: Ein „Zurück“ ist unmöglich. Geschlossene und überwachte Verwertungsketten, von der Wiedergabe auf nur mehr autorisierten und DRM-zertifizierten Geräten über vollständige Überwachung des Internets bis zu drakonischen Strafen auf Urheberrechtsverstöße stellen schlicht keine Lösung dar.

Um die Veränderungen zu verdeutlichen, ein Beispiel aus der Geschichte: Das Postkutschergewerbe lief Sturm gegen die aufkommende Eisenbahn, sah man doch das angestammte Geschäftsfeld bedroht. Wie der Kampf ausging ist bekannt.

Ideen her, aber fix!

Dabei geht es gar nicht um mangelnde Wertschätzung: Viele Fans werden grade durch Urheberrechtsbarrieren vor den Kopf gestoßen: Welcher Fan wartet darauf, bis er oder sie, „Game of Thrones“ mit monatelanger/jahrelanger Verspätung und vielleicht noch schlechter Synchronisation legal im deutschen Fernsehen oder auf DVD sehen darf? Wirkliche grundlegende Lösungsideen selbst finden sich in den Debatten leider wenige wieder. Berücksichtigt man die radikalen Veränderungen, scheinen radikalere Ansätze zwingend. Die Bandbreite reicht von Kulturflatrate über Crowd-Funding bis Bedingungsloses Grundeinkommen, bei MusikerInnen gerne gemischt mit „Liveauftritten“ und „Merchandising“. Welche davon sich durchsetzen wird, scheint ungewiss – jedoch ist die Debatte genau darüber zu führen. Neu ist sie keineswegs: Schon vor 20-30 Jahren wurden Heimcomputerprogramme fleißig getauscht (übrigens ohne dass die Softwareindustrie bis heute zugrunde gegangen wäre)

Piraten vs. Kulturschaffende ist prinzipiell die falsche Diskussion. Eine Lösung kann es nur mit den UrheberInnen geben. Das sollen nicht nur PiratInnen beherzigen, sondern auch JournalistInnen, denen eine solche Paarung manchmal zu verlockend erscheint. Denn eines ist klar: Die KünstlerInnen sind eingeklemmt zwischen kostenlosen Kopien und der Verwertungsindustrie, genauso wie die Internet-UserInnen zwischen Abmahnung und Tauschbörse. Infrage gestellt werden darf die Verwertungsindustrie, die heute als Postkutschengewerbe erscheint. Aber genau diese enthält sich der Stimme.

Der wahrscheinlich klügste Satz zum Thema stammt von einer 15-Jährigen Teenagerin: „We don’t want everything for free. We just want everything.“ Bitte beherzigen.

Disclaimer: Autor ist Mitglied der Piratenpartei Österreich

Edit 9. Mai: Gemeint war natürlich Crowd-Funding und nicht Crowd-Sourcing

re:publica 2012–Tag drei: Virtuelles und Reales

Der letzte Tag der re:publica 2012 brachte zum ersten Mal (für mich) überfüllte Räume. Der Veranstaltungssaal zur  Diskussionsrunde "Copyriots! Der Kampf der Kulturen" war vollgefüllt, für zuspätkommende (wie mich) gab es nur mehr Stehplätze. Die Diskussion selbst - Pro und Contra Urheberrecht, das Versagen der Medienindustrie und was die KünstlerInnen davon halten - war aber zu interessant um sie zu verlassen - Protokoll gibts halt keines.

Vor etwas kleinerm Publikum sprach dann Felix Schwenzel warum das Internet nichts virtuelles, sondern etwas sehr reales ist. An der Schnittstelle virtuell/real waren dann auch die beiden nächsten Vorträge beheimatet: 3D-Printing und Fablabs. Wieder richtig Digital wurde es dann bei Dirk von Gehlen, der ein Lobeslied auf die Kopie besang. Sein Plädoyer war eindeutig: Im Digitales Zeitalter lässt sich ein Original von einer Kopie nicht mehr unterscheiden - das Urheberrecht, in der Form wie wir es kennen, damit hinfällig. Schwieriger zu verstehen war der Vortag von Mercedes Bunz (Welches revolutionäre Element steckt in der Digitalisierung?), Seemann erlebte ich nur kurz (Weil ich auf der Suche nach meiner verlorenen DigiCam war) und Katrin Passig schloss die re:publica mit "Standardsituationen der Technologiebegeisterung". Die re:publica war nach der Verabschiedung zu Ende, für mich geht’s in ein paar Tagen weiter zur Next-Conference: Es wird startupiger, kommerzieller und hoffentlich nicht flacher.

Ein großes Dankschön möchte ich dem unbekannten Finder/der unbekannten Finderin aussprechen, die meine DigiCam am Lost-and-Found-Schalter abgegeben hat. Bei Heise.de lässt sich ein Resüme der re:publica nachlesen, schöne Fotos hat Flickr und die Videoaufzeichnungen gibts bald unter re-publica.de

Transcript: Roh-Mitschrift und Beta.

 

Copyriots! Der Kampf der Kulturen

Johnny Haeusler, Conrad Fritzsch, Konrad von Löhneysen, Roxanne de Bastion, Hans Hafner, Sessioninfo

copyriots

Podiums- und Publikumsdiskussion über die Zukunft des Urheberrechts und wovon KünstlerInnen zukünftig leben sollen. Interessant, allerdings schon oft gehörtes und die Lösungsstrategien klangen auch irgendwie gleich (nämlich nach wenig).

soylent green, äh, the internet is people!

Felix Schwenzel, Sessioninfo

schwenzel

Warum wird immer zwischen Internet und echtem Leben unterschieden? Felix Schwenzel erklärt, warum die Trennung von virtuellem und realem aufzuheben sei.

DingFabrik: Das Fablab als Teil der urbanen Infrastruktur

Lars Weiler, Alexander Speckmann, Sessioninfo

weiler

Ein Fablab als offene Werkstatt, ein Ort aus dem Ideen Dinge werden. Weiler und Speckmann schildern den Weg der Kölner DingFabrik und ihre Zukunftspläne - Wie aus der einfachen BürgerInnenwerkstätte ein Inkubator für Startups und Innovationen werden könnte.

Der Alltagsgegenstand im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit

Philip Steffan, Sessioninfo

steffan

3D-Drucker werden erschwinglich und mit ihnen das Raubkopieren von realen Gegenständen. Philip Steffan im Rück- und Ausblick auf neue Drucker- und Geschäftsmodelle.

Mashup: Lob der Kopie

Dirk von Gehlen, Sessioninfo

vongehlen

Kopien sind nichts schlechtes - das gesamte Wissen der Menschheit beruht auf Nachahmung. Mit dieser Feststellung begann von Gehlen seine Session und dieses Credo zog sich durch den gesamten Vortrag. Digitale Kopien sind nicht mehr vom Original unterscheidbar, teilen ist nichts schlechtes sondern eigentlich notwendig. Es ist daher an der Zeit einzusehen, dass das bisherige Urheberechtsmodell so nicht mehr fortgeführt werden kann. Er schlägt vor, nach Lösungen mit der Kopie und nicht gegen sie zu suchen. Grundlage des Vortrags ist sein gleichlautendes Buch.

Organisation­3000: Algorithmen oder Geld?

Mercedes Bunz, Sessioninfo

bunz

Das "Internet der Dinge" klingt als erstes nach einem Modell ersponnen in den Effizienzfabriken von McKinsey und Co. Aber kann es auch gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen? Mercedes Bunz glaubt, dass durch die Vernetzung aller Dinge, nicht nur Geld gespendet werden kann, sondern auch Rechenleistung. Ein leider etwas unfertiger und nicht zu Ende gedachter Vortrag mit Potential.

Infrastruktur & Kontrolle: Netzneutralität

Michael Seemann, Sessioninfo

Netzneutralität bedeutet nicht nur die Gleichheit von Bits&Bytes, im größeren Umfang gedacht, ist Netzneutralität auch demokratisches und rechtsstaatliches Konstrukt.

Standardsituationen der Technologiebegeisterung

Kathrin Passig, Sessioninfo

Vor Jahren schrieb Kathrin Passig über die "Standardsituationen der Technologiekritik": Negative Vorteile, die pauschal auf neue Technologien angewendet werden ("Wozu soll das gut sein?", "Das braucht Keiner", ...). Aber gibt es auch wiederkehrende postive Vorteile, die Innovationen immer wieder zugeschrieben werden? Ja und "Weltfriede" steht dabei ganz vorne.

re:publica 2012 - Tag zwei: Die Schattenseiten des Netzes

Nach dem Vortragsmarathon gestern ging ich es am Tag zwei bisserl gemütlicher an. Dasselbe tat das W-Lan: es viel komplett aus. Nichtsdestoweniger waren die Vorträge qualitativ toll, sodass sich das Nicht-Internet kaum bemerkbar machte. Sehr freute mich, Jillian C. York wiederzusehen, die ich schon auf mehreren Vorträgen erlebte und nicht nur mit ausgesprochen tollem Wissen, sondern auch mit einem lebhaften Vortragsstil zu glänzen weiß.

Bei den Vortragsstilen war ein genereller Kulturunterschied feststellbar: Während sich deutschsprachige ReferentInnen ausnahmslos hinter dem Pult verschanzen, bespielen anglo-amerikanische Vortragende immer die gesamte Bühne. Dies macht das Zuhören nicht nur angenehmer, weil auf der Bühne immer etwas passiert, auch verfallen die Vortragenden nicht ins Power-Point-Ablesen. Kann diesen Kulturunterschied noch jemand bestätigen?

Der Fail des Tages (der re:publica?) war der "Vortrag" von Julia Schramm und Julia Seeliger. Die gedachte Mischung aus Publikumsbeschimpfung und Real-Live-Trolling ging nicht auf. Mittendrin wurde auf seriös gewechselt, statt Trolling kam es nur Arroganz rüber, der Versuch, aus dem Publikum Trollkommentare zu provozieren (vielleicht auch deshalb der  thematische Überbau "Feminismus") schlug fehl - aber sowas von. Wie es @achimbaur auf Twitter meinte: "Troll-Session mit @laprintemps und @zeitrafferin. Fühle mich, als hätte ich einen Autounfall miterlebt. Weiß nicht, wer das Auto war."

Beim Transkript gilt wieder: Roh-Mitschrift, Englisch/Deutsche-Misch-Masch, kein Gewähr.

 

Threats to Free Expression in the Middle East and North Africa

Jillian C. York, Sessioninfo

Die Entwicklungen der Internet-Zensur und Websperren: Jillian C. York als "Director of International Freedom of Expression" in der Electronic Frontier Foundation (EFF) ist eine Expertin auf diesem Gebiet.

A Webpage is a Book

Adam Hyde, Sessioninfo

Kann man ein Buch ähnlich wie eine Website erstellen? Adam Hyde referiert über kollaboratives Schreiben, BookSprints und offene Publishing-Kultur.

Media Ecology and the Occupy Movement

Sasha Costanza-Chock, Christine Schweidler, Sessioninfo

Diese Session bestand aus zwei Teilen: Christine Schweidler referierte über die interne statistische Auswertung der Occupy-Bewegung und ihrer Mitglieder während sich Sasha Costanza-Chock über die Berichterstattung in den Medien und dem Umgang von Occupy mit den Medien widmete. Bericht von heise.de / Occupy Research General Survey

Dark Side of Action

Anwen Roberts, Stephan "Tomate" Urbach, tante, Sessioninfo

Digitaler Aktivismus war nicht nur heuer das bestimmende Thema der re:publica. Was aber, wenn der Aktivismus zum Burn-Out führt? Telecomix war ein AktivistInnennetzwerk zur Umgehung von Netzsperren rund um den Arabischen Frühling. Stephan Urbach war ein Teil dieser Gruppe - bis er am Rande seiner physischen Existenz stand. Ein beklemmender Vortrag, der aber auch einen Ausblick darauf gab, wie sich AktivistInnen vor Depressionen und Burn-Outs schützen können.

Trollen oder getrollt werden – das ist hier die Frage! / Female Trolling – Ja oder Nein?

Julia Schramm, Julia Seeliger, Sessioninfo

Siehe oben.

Royal Revue III – Das große Finale

Markus Herrmann, Nilz Bokelberg, Sessioninfo

Das Motto lautete: "Wenn es unterhält – dann ist es Unterhaltung!" und so war es dann auch: Die beiden präsentierten uns ihre Version eines neuen Social-Networks. Vergnügliche zwei Stunden mit Geek-Humor.

re:publica 2012 - Tag eins: Platz da!

Die re:publica ist umgezogen und der Ortswechsel ist mehr als geglückt. Nachdem man im letzten Jahr mehr als über die Kapazitätsgrenzen der Räumlichkeiten gegangen ist, fand man einen neuen Ort: Die Station Berlin mit 20.000m² Veranstaltungsfläche. Obwohl über 1000 Tickets mehr verkauft wurden und sich insgesamt 4000 Menschen in den Hallen tummeln, entsteht kein Gefühl der Beengtheit. Keine Vortragsaal, der wegen Überfüllung geschlossen werden musste. Dazu beitragen auch die 8 verschiedenen parallelen Tracks mit der die re:pubica 2012 auch thematisch gewachsen ist.

Eine Professionalisierung fand nicht im Ort, sondern auch vom Inhalt her ab. Kleinere Vorträge und Unausgegorenes gibt es nur noch verzeizelt, es dominieren die großen Namen und großen Themen. Dies darf nicht negativ, versammeln sich doch sonst nirgends in Europa so hochkarätige Vortragende an einem Ort. Unprofessionell wirk nur das W-Lan. Es ist ein Glücksfall, ob man ins Internet kommt und das Glück war mir nicht immer hold. Ironischerweise gibts auf dieser re:publica eine analoge Twitterwall, bei der Tweets ausgedruckt plakatiert werden.

Neben den einleitenden Worten der Organisatoren bei der Eröffnung sprach auch der Berliner Wirtschaftssenator. Er gab unfreiwillig auch die Antwort darauf, ob die Politik das Internet und digitale Szene versteht: Ein eindeutiges Nein. Zur Rede nur soviel: Der erste Bullshit-"Bingo"-Ruf aus dem Publikum kam nach wenigen Minuten.

Meine besuchten Vorträge tippte ich mit, es fehlt mir jedoch die Zeit, das Wirr-Warr in ganze Sätze zu formen. Daher gibts nur die Roh-Mitschrift, teilweise nur Stichworte, teilweise ausformulierte Zitate. Das Englisch/Deutsche-Misch-Masch erklärt sich durch die größtenteils englischen Vorträge. Und meine Billig-Digicam macht richtig schlechte Fotos in den dunklen Vortragshallen.

Why Freedom of Thought Requires Free Media and Why Free Media Require Free Technology

Eben Moglen, Sessioninfo

Ein grandioser Eröffnungsvortrag zur schleichenden, aber effektiven Abschaffung der Privatsphäre: "Wir könnten die Generation sein, die den Gedanken der Meinungsfreiheit vollendenten. Wir müssen dies erreichen, zuviele sind für diese Idee gestorben. Wir dürfen nicht versagen." Heise.de über den Vortrag

Der wandelnde Computer-User - Utopien der mobilen Vernetzung (1945-2012)

Jana Herwig, Susanne Zöhrer, Sessioninfo

Geschichte des Computer-Users in Gesellschaft und Werbung

Deliberation 3.0 - Das Gespenst der digitalen Demokratie geht um

Julia Schramm, Bertram Keller, Steffen Albrecht, Jennifer Paetsch, Sessioninfo

Wie gehts mit der (direkten) Demokratie weiter? Rettet die digitale Partizipation unsere Demokratie? Eine Podiumsdiskussion mit und zwischen Piratenpartei, Zivilgesellschaft und der Kritik daran.

The beauty of interaction

Patrizia Marti, Sessioninfo

Wie Innovationen und intelligentes Design unser alltägliches Leben bereichern kann.

Open Innovation in the Public Sector: Open Cities

Ivonne Jansen-Dings, Katalin Gallyas, Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker, Sessioninfo

Möglichkeiten für Städte und Kommunen durch Open-Innovation und Freigabe von Daten (Open-Data)


Make Love Not Porn - Real World Sex Meets Technology In The 21st Century

Cindy Gallop, Sessioninfo

Pornographie ist durch das Internet allgegenwärtig. Damit steigen die "Erwartungshaltungen" im Bett und gleichzeitig projezieren Pornos die rein männliche Sichtweise auf Sex wieder. Cindy Gallop will das, ohne Pornographie zu verteufeln, mit makelovenotporn.tv ändern und unabhängigen PornoproduzentInnen und neuen Ideen eine Chance geben.

Bestes Zitat des tollen Vortrags: "Porn zur Aufklärung zu verwenden ist als würde man "The Fast an the Furious" zum Autofahren lernen benützen."

Rockstars und Mimosen – Wie die deutsche Blogosphäre veramerikanisiert wird

Sascha Pallenberg, Sessioninfo

Die Bloggerszene in Deutschland wird bald von deutschen Ablegern der großen US-Blogs überrollt, urteilt Sascha Pallenberg (Netbooknews.de/.com). Den Grund sieht er in der fehlenden Kooperation und Vernetzung, auch kreidet er die mangelnde Professionalität an. (Keine Mitschrift, Notebook war da grade in der Ladestation)

Überraschungsvortrag

Sascha Lobo, Sessioninfo

Zwar nicht ganz so lustig wie letztes Jahr, trotzdem sehr unterhaltsam und den Finger mehr in die Wunde legend, was die Netzgemeinde leisten soll: Der Vortrag von Sascha Lobo war wieder ein würdiger Abschluss des ersten re:publica-Tages

Graz gewinnt Smart-City-Vorzeigeprojekt

12. April 2012 08:33 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Beim gestrigen Start der Stadtlabor2012-Konferenz wurde freudig verkündet, dass Graz als einzige Stadt in Österreich ein Smart-City-Leitprojekt an Land ziehen konnte: 4,2 Millionen Förderung für die Entwicklung eines energieoptimierten Stadtteils hinter dem Hauptbahnhof.

Smart City Project Graz Mitte

Das Pilotprojekt entsteht hinter dem Hauptbahnhof, angrenzend zur Helmut-List-Halle. Auf 400 Hektar Fläche soll mit Hilfe von neuesten Technologien Lebensraum entstehen, der geringe bis keine CO2-Emissionen aufweist. Als Komponenten im Technologiemix sind Solarmodule, Solarkühlung, Mini-Blockheizkraftwerke und ein Aufwindkraftwerk vorgesehen. Wert gelegt wird nicht nur auf Technologie, sondern auch auf Bürgerpartizipation – Mentoringprogramme sind im Projekt ebenso vorgesehen.

Stadt Graz: Smart-City holt Millionenförderung
ORF: 4,2 Mio Euro für Grazer „Smart City“-Projekt

„Städtebau ist nicht eine Frage des Geldes, es ist eine Frage der Haltung“

Mein persönliches Highlight gestern war jedoch der Vortrag von Wulf Daseking, langjähriger Stadtplaner in Freiburg. Er wusch all jenen (inkl. mir) gehörig den Kopf, die bei Smart-Cities nur an den Einsatz von modernen Technologien denken. Für ihn bedeutet eine „intelligente Stadt“, den Ausgleich zwischen Ökologie, Ökonomie und der sozialen Frage herzustellen. Zusammengefasst wurden seine Thesen in der Charta von Freiburg.

Die Planungen scheinen in Freiburg aufzugehen: 30 Prozent aller Verkehrswege werden mit dem Rad zurückgelegt werden (in Graz, der „Fahrradhauptstadt Österreichs“, sind es 16%). Wohl auch aus diesem Grund wurde Freiburg als „Europäische Stadt des Jahres 2010“ ausgezeichnet.