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Technologie, Landwirtschaft und eine Prise Politik.

Links der Woche (I)

8. Juni 2014 21:04 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Manches gewittert, vieles gefavt, einiges Unveröffentlicht: Die subjektive Liste der lesenswertesten Texte der Woche.

Computerprogramm "Eugene" besteht Turing-Test
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Computerprogramm-Eugene-besteht-Turing-Test-2217857.html

Bei einer Veranstaltung der University of Reading hat ein Computer den berühmten Turing-Test bestanden. Er machte menschlichen Schiedsrichtern in einem Chat glaubhaft, dass er ein 13-jähriger Junge sei.

#24HHÄUSLICHEGEWALT BEI #24HPOLIZEI
http://frikasch.wordpress.com/2014/06/07/24hpolizei-und-24hhauslichegewalt/

Die Twitter-Aktion der Berliner Polizei am 6. Juni und 7. Juni 24 Stunden lang aus der Einsatzzentrale live zu twittern um den eigenen Arbeitsalltag zu zeigen und Nachwuchs zu werben, ist sicher ein großer Erfolg für die Berliner Polizei. Neben vielen witzigen Geschichten, die so typisch Berlin sind, bspw. geklaute Gulli-Deckel oder Rollatoren, zahlreichen Parties und so weiter, oder aber auch die tragisch hohe Anzahl an Suizidverdachten und -versuchen, legt diese Aktion auch viel über Häusliche Gewalt und Beziehungsgewalt offen.

Studie: Was wählen Rechtsextreme?
http://doktorsblog.de/2014/06/05/studie-mensch-ist-nicht-gleich-mensch/

Die diesjährigen Ergebnisse dokumentieren erneut, dass rechtsextreme Positionen bei den Anhängern sämtlicher politischer Parteien nachweisbar sind, und dass auch die Wählerschaft der großen Parteien SPD und CDU davon nicht ausgenommen ist. "Es fällt allerdings auf, dass die stärkste Anziehungskraft bei den Wählern mit einer ausländerfeindlichen, antisemitischen und chauvinistischen Einstellung neben den rechtsextremen Parteien die AfD hat", erklärt der Sozialwissenschaftler Johannes Kiess, der seit 2008 an der Studie mitarbeitet.

The spikes.
http://imsorrythatimlikethis.wordpress.com/2014/06/07/the-spikes/

Twitter is enraged today because it has stumbled across a picture of some spikes in a doorway where previously people had been known to rough sleep. I agree, this is not a nice thing but I feel we are missing the point.

Ein Wikipedia für düstere Zukunftsvisionen
http://m.srf.ch/kultur/im-fokus/weblese/ein-wikipedia-fuer-duestere-zukunftsvisionen

Seit der NSA-Affäre ist «1984» von George Orwell wieder in aller Munde – und die Frage, ob Dystopien in der Literatur nicht doch ernster genommen werden sollten. Die Website «Dystopia Tracker» will nun die Gesellschaft darauf sensibilisieren, wie Technologie unser Leben verändert.

Thanks for nothing, jerkface
http://www.zdnet.com/thanks-for-nothing-jerkface-7000030306/

One month after creator and leader of Google+, Vic Gundotra, quietly quit, Google chief Sergey Brin told a conference audience last week that involvement in Google+ was "a mistake." He made the exact opposite statement in 2011.

PS: Für eine Dauerbelinkschleuderung: @fuchsverhau

Die moderne Stadt als Werk der Technik

1. Juni 2014 23:04 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Moderne Technik ist nicht trennbar von der Gesellschaft in der sie entsteht. Sie wird missbraucht als Machtinstrument und dient, das Wissen ihres Einsatzes habhaft, als Regulator zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Schichten. Am deutlichsten wird dies, wenn wir uns einem technischen Meisterwerk zuwenden: der modernen Stadt.


Brasilia (Foto: Cayambe CC-BY-SA 3.0)

Geht man nach Otto Ullrichs Aussage des "Kapital und Technik als enges Bündnis" so wird dies in der Stadt am deutlichsten. Die Symbiose aus gesellschaftlichen Strukturen und moderner Technik erzwingt geradezu die fortschreitende Konsumation abhängiger Betriebsmittel. Wenden wir uns als Beispiel der Stadt Brasilia zu: Sie sollte, am Reißbrett geplant, alle Vorzüge einer modernen Stadt bieten, ohne auf gewachsene historische Nachteile eingehen zu müssen. Das Experiment scheiterte kläglich. Denn, was man in den 50er Jahren als perfekte Symbiose einer fortschrittlichen Stadt verstand, erzeugte drei getrennte Stadtstrukturen für Arbeit, Freizeit und Wohnen. Verbunden wurden die einzelnen Teile durch mehrspurige Autobahnen, auf denen, so die Idee, die BewohnerInnen bequem mit ihrem Privatauto verkehren sollten.

Das Sinnbild dieser Stadt stand im Einklang mit den Ideen von Le Corbusier. Der französische Architekt verlangte eine radikale Abkehr der Architektur von bestehenden Paradigmen, um fortschreitenden technischen Entwicklungen Platz zu geben. Bauten sollen ausschließlich Zweckbauten sein, Städte rein auf Effizienz getrimmt. Der technokratische Ansatz übersah den Wunsch der Bewohnerinnen nach Identität und Geschichte. Dennoch verwirklichten Le Corbusiers SchülerInnen Brasilia.

"Wie weit ein Forscher schon allein durch den Stil seines Denkens und Handelns an den Zerstörungstendenzen der Zeit mitschuldig wird"

Diese Aussage des österreichischen Zukunftsforschers Robert Jungk bewahrheitete sich: 50 Jahre später ist Brasilia eine Stadt ohne Seele. Die Mittel- und Oberschicht der BeamtInnen, für die dieser Ort errichtet wurde, flieht am Wochenende aus der Stadt. Die BauarbeiterInnen, die die Stadt errichteten oder unwillkommene ImmigrantInnen ließ man erst gar nicht herein, sondern schob sie in Slums ab. Ohne Kapital für ein eigenes Auto wäre diese Stadt für sie auch unbewohnbar.

Eine Zersiedelung – anzutreffen vor allem in amerikanischen Städten mit ihren Einfamilienhausparks –  verhindert die Entwicklung eines "kulturellen Unterholzes". So verkommen ganze Städte oder Stadtteile zu reinen Schlafstätten, denn das urbane Leben findet woanders statt. Auch so zwingt man die BewohnerInnen zur Anschaffung von Autos, denn ein öffentlicher Nahverkehr lässt sich aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte kaum verwirklichen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Venedig: Kompakt, alle Wege zu Fuß erreichbar, die Autos ausgesperrt. Dass diese Stadt seit Jahrhunderten als Touristinnenattraktion gilt, zeigt auch, wie verkehrt eine Stadtentwicklung war, die ausschließlich den Individualverkehr im Sinne hatte. Venedig verkörpert heute noch das ideale Stadtkonzept .

„Wir erklären, dass sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit.“

Filippo Tommaso Marinetti war es, der zur vorigen Jahrhundertwende mit dem „futuristischen Manifest“ das ideologische Rüstzeug der aufkommenden Epoche der brutalen Avantgarde mitgab. Die Faszination der Maschine, die Geschwindigkeit der Veränderung: mit dem radikalen Bruch des Bestehenden und der Erschaffung des Neuen. Wiewohl besonders in Malerei, Theater und Literatur Spuren hinterlassend, brachte der italienische Architekt Antonio Sant’Elia den Futurismus auch in die Architektur ein und inspirierte damit Le Corbusier.

„Wir schulen unser Formgefühl an den reinen Zweckformen der Technik und Industrie. Das sind die Kinder unseres Geistes.“ Hinzufügen zu diesem Zitat Le Corbusier möchte man „und des Profits“. Städteplanung am Reisbrett, unterworfen der ingenieurhaften Techniknaivität und kapitalistischen Profitstrebens, dass den Menschen höchstens als KonsumentIn mitdenkt führt zu Wohnmaschinen, reduziert auf blanke Funktionalität ohne Herz und Gleichgültigkeit der Umgebung gegenüber. Der Philosoph Georg Simmel sprach die Warnung – ironischerweise – Jahre vor Le Corbusier in seinem Aufsatz „Die Grosstädte und das Geistesleben“ bereits aus: „Geldwirtschaft aber und Verstandesherrschaft stehen im tiefsten Zusammenhange. Ihnen ist gemeinsam die reine Sachlichkeit in der Behandlung von Menschen und Dingen, in der sich eine formale Gerechtigkeit oft mit rücksichtsloser Härte paart.“ 

Am Beispiel der Stadt verifiziert sich die Aussage von Ullrich: "Technik und Herrschaft doch enger verknüpft sind, als nur durch eine falsche Anwendung": Zersiedelte Wohngegenden erzwingen, gleich welchen Systems, die Investition in Individualverkehrsmittel, mit den damit verbundenen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Das Wissen der IngenieurInnen und WissenschaftlerInnen hat daher sowohl für das Kapital als auch für den Staat eine wesentliche Bedeutung.

Antifaschismus nicht nur Linken überlassen

25. Mai 2014 13:05 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Das Problem in Österreich: Den Widerstand gegen Rechts schultert eine kleine Gruppe, weil sich viele daran nicht beteiligen oder beteiligen wollen.

Thomas Knapp und Heimat ohne Hass formulierten ihre Gedanken zu dem, was vorigen Samstag im Rahmen der Proteste gegen den Marsch der Identitären geschah. Eine Beobachtung merkte ich Rahmen der Diskussionen hierzu: Abseits der Linken wird das Auftreten auf der Straße gegen Rechts in Frage gestellt, oft vermengt mit der Aufforderung sich von gewaltbereiten Demoteilnehmenden zu distanzieren. Dies von einer Gruppe zu fordern, die Solidarität als hohes Gut wertet und sich von einer gegen sie eingestellten Öffentlichkeit nicht auseinanderdividieren lassen will, kann nur in Unverständnis münden. Auch die Aufforderung selbst ist eine fragliche: Niemand käme auf die Idee, von allen StadionbesucherInnen eines Fußballvereines eine Distanzierung zu verlangen, weil ein paar Hooligans zu prügeln beginnen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Leute, die im Rahmen einer Demo grundlos randalieren sind für mich Idioten – die auch der Bewegung schaden. Sie liefern den Medien jene Bilder die sie wollen um den gesamten Protest zu verurteilen und spielen sowohl den Rechten, als auch der Rechtfertigungsstrategie der Polizei in die Hände. Aber bitte bleiben wir auch bei den Verhältnissen: Es sind nimmer nur Einzelne, für die auch in der Bewegung wenig Verständnis herrscht. Übersehen werden darf auch nicht, dass so gut wie alle Demonstrationen vollkommen friedlich ablaufen.

Weil ihr schweigt, müssen andere demonstrieren.

Die alljährliche antifaschistische Demonstration in Braunau/Inn gleicht einer ritualisierten Wallfahrt linken Splittergruppen. Neben Mao-Flaggen und Stalin-Gutfindern zu marschieren ist nicht das, was ich mir wünsche, aber auch schon tat. Denn trotz kontrahären politischen Visionen ist es gut, dass etwas passiert. Dass nicht still gehalten wird und die zunehmenden Provokationen unwidersprochen bleiben, in einem Land, in dem Schweigen als die präferierte Strategie empfunden wird, in dem man das Fenster nach Rechts nicht zumachen will und es Kampagnen vom Boulevard setzt.

Das ist das eigentliche Dilemma. Antifaschismus müsste eigentlich bis weit in die Mitte der Gesellschaft reichen. In deutschen Bündnissen, wie Kalk/Köln bleibt bunt oder Bonn stellt sich quer stellen sich Linke, Bürgerliche, Liberale und „Unpolitische“ gemeinsam rechten Strömungen entgegen. Gemeinsam, abseits aller unterschiedlichen Ideologien.

Vielleicht braucht es aber auch – kreative und lustvolle – Protestformen wie einer Hedonistischen Internationalen, die neue Möglichkeiten zum Andocken für bislang Uninteressierte schaffen. Dem Antifaschismus würde dies sehr gut tun. Sähen doch dann alle die Breite der Bewegung und wären medial auch nicht mehr reduzierbar auf eine Gruppe von vermeintlich Gewalttätigen.

re:publica 14: Empfehlungs-Roundup Vol.1

11. Mai 2014 21:05 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Angesichts meiner Verkühlung, die ich mir beim Nachtzugfahren zuzog und des langen Arbeitstages am Hof, gibt’s hier in kurzer Form die erste Runde an Session-Empfehlungen zum Nachschauen der diesjährigen re:publica

Networked Consent: Dreaming and Desire in the 21st Century

Laurie Penny

Changes in communications technology allow us to think in new ways about consent, desire and the nature of power. There are important parallels between the backlash against rape culture and innovations in digital politics. What does that mean for the consent of the governed?
http://14.re-publica.de/session/networked-consent-dreaming-and-desire-21st-century

Burnout & Broken Comment Culture

Teresa Bücker

Das Dilemma des Onlineaktivismus ist, dass Beteiligte unter Druck, Tempo und Gewalterfahrungen im Netz immer schneller ausbrennen, sich zurückziehen und ihren Communities verloren gehen. Technische Möglichkeiten stützen Bewegungen, Diskussionskultur schwächt sie. Der Vortrag geht diesen Fragen nach und präsentiert Ideen dazu, Debatten im Netz neu zu organisieren und inklusiver zu gestalten, um Onlineaktivismus langfristig zu stärken.
http://14.re-publica.de/session/burnout-broken-comment-culture

Beyond Porn oder Die digitale sexuelle Revolution

Journelle

Sexualität im Internet ist mehr als kurze - bis zur Abmahnung - kostenlose Clips auf RedTube. Anders als vielfach in den Medien verbreitet, sind Seiten mit sexuellem Inhalt nicht das Ende der Zivilisation, sondern bieten vielmehr die Möglichkeit einer sexuellen Revolution 2.0.
http://14.re-publica.de/session/beyond-porn-oder-digitale-sexuelle-revolution

Sprachpolizeiliche Ermittlungen

Anatol Stefanowitsch

Wo, wie im Internet, Gruppen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen aufeinander prallen, wird nicht nur um Inhalte, sondern auch um Sprachregelungen gekämpft. Diese Kämpfe werden schnell zu Grabenkriegen, weil alle Beteiligten einer Reihe von Fehlschlüssen über die Funktionsweise von Sprache unterliegen.
http://14.re-publica.de/session/sprachpolizeiliche-ermittlungen

Über das Entlieben in Zeiten des Internets

Eva Horn

Es genügt nicht mehr, die gemeinsamen Lieblingsorte zu verlassen, Waschmaschine und Kühlschrank und Freundeskreis untereinander aufzuteilen. Wer behält Facebook, wer tobt sich weiterhin auf Instagram aus? Wie schaffe ich es, zu ignorieren, dass der instagramaccount des Expartners plötzlich so aussieht wie eine Ausstellung der Gemälde von Caspar David Friedrich? Wie reagiere ich auf die feucht fröhlichen tweets der Exfreundin, während ich gerade weinend zuhause sitze?
http://14.re-publica.de/session/ueber-entlieben-zeiten-des-internets

Wie ich zu Breitbandinternet in der Pampa kam

Ich habe nun Breitband-Internet. Diese Erkenntnis an sich wäre nicht erwähnens-, oder gar schreibendwert, würde sich dieser Internet-Zugang in einem Ballungsgebiet befinden. Doch Österreich besteht auch aus Land. Und da wird’s eng mit der digitalen Infrastruktur.

Der Flachgau ist bei weitem nicht die hinterste Pampa von Österreich. Im Einzugsgebiet der Stadt Salzburg liegend, ein Paradies für EinzelheimfetischistInnen und Speckgürtelfans, die Bevölkerungsentwicklung sehr positiv. Aber selbst hier wird es mit der Breitbandversorgung schwierig. ISDN oder ADSL: Komplette Fehlanzeige, auch Adressdatenbanken etwas anderes behaupten. Im Dorf ist es nicht ganz so schlimm, aber auch hier ist mit 8Mbit-ADSL das Ende der Fahnenstange erreicht. Unentbündelt versteht sich, das heute oft unnötige Festnetztelefon muss teuer mitgezahlt werden.

Das ich als Teilzeit-Bewohner jener Offline-Region in den Genuss zeitgemäßer Surfgeschwindigkeiten komme, ist dem Erfindergeist eines Unternehmers aus dem Nachbarort zu verdanken. Er bietet Internet-Zugänge via WLAN an: Ein Mesh-Netzwerk mit zentralen Knotenpunkten auf den Bergen ringsum versorgt auch abgelegene Weiler. Komplett neu ist die Idee mit Internet via WLAN nicht. Sie füllen eine wichtige Lücke im digitalen Intrastrukturbereich: Oft in kleinräumigeren Gebieten eingesetzt sind sie dort die einzige Alternative.

Das E des Grauens

Die einzige Alternative auch deshalb, weil Internet via Mobilfunk in Ländlichen Gebieten diese Rolle nicht einnehmen kann. Neben technischen Einschränkungen – VPN, VoIP und anderes werden von den Providern gerne blockiert – beißt sich die Katze auch hier in den Schwanz: Gut ausgebaute, schnelle 4G-Verbindungen gibt es nur in Ballungszentren, am Land ist die Netzabdeckung vergleichsweise schlecht. So auch in Helming: Wiewohl in Sichtverbindung mit dem Mobilfunkmasten am Berg gibt’s im Hause nur EDGE. Zum Surfen immer auf den Balkon zu gehen, ist dann mit der Dauer auch langweilig. Eine Outdoor-Wlan-Antenne ist praktischer.