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Technologie, Landwirtschaft und eine Prise Politik.

Ernst Strasser ist unschuldig

20. März 2011 18:30 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Warum sollte auch jemand, der in der heimischen Politik groß geworden ist, plötzlich feststellen, dass was in Österreich durchgeht, vielleicht anderswo nicht toleriert wird?

Natürlich hat Ernst Strasser alles durchschaut: Von Anfang an wollte er die Journalisten der Sunday Times hereinlegen, ihr perfides Spiel veröffentlichen und damit zum Helden der Anti-Lobbyismus-Bewegung Europas werden. Begreiflich, dass er sich jetzt missverstanden fühlt: Er, der in Europa etwas konnte, was er in Österreich sicher nicht gelernt hat.

Denn: Im System hierzulande wäre es undenkbar, dass eine Lobbyismusaffäre einen solchen Aufschrei und gar einen Rücktritt nach sich gezogen hätte. Wohl probieren es einige Medien manchmal, aber - gutes Sitzfleisch vorausgesetzt - legt sich der Wind normalerweise recht rasch wieder. Wichtig ist die Föhnfrisur und das passende Netzwerk, so lässt sich jede Anschuldigung gekonnt überwintern. Von der heimischen Justiz darf kein Unheil erwartet werden – Tierschützer sollte man nur nicht sein.

Europa – Endlagerstätte für kontaminierte heimische Politiker

Die Causa Strasser ist insofern bemerkenswert, als dass schon 2008 Vorwürfe der Postenschacherei gegen ihn erhoben wurden. Als Ergebnis der Untersuchungen wurde Strasser – zum allgemeinen Erstaunen – ÖVP-Spitzenkandidat zur Europawahl 2009. Mit der Wahl wurde vor allem Otmar Karas brüskiert, der aufgrund seiner fachlichen Qualifikation über die Parteigrenzen hinweg Ansehen genießt – an der festgelegten Reihenfolge änderten selbst 100.000 Vorzugsstimmen für Karas nichts mehr.

Anstatt die Chance zu begreifen und Europa aktiv mitzugestalten, übt man sich im heimischen Provinzlertum. Das Politiker nach Brüssel abgeschoben werden, ist nicht nur seit Johannes Hahn der Fall. Wie Thomas Mayer im Standard schreibt: "So aber steht der ÖVP-Chef vor einem Riesenschaden, den er durch falsche Personalpolitik selber auf den Weg gebracht hat." Die ÖVP hat mit der Causa Strasser unter den bürgerlich-weltgewandten Wählern eindeutig verspielt: Wo früher "Europapartei" draufklebte, bröckelt jetzt die Fassade. Aber auch die anderen Parteien bekleckerten sich mit ihrer Europa-Strategie nicht mit Ruhm: die SPÖ schreibt Briefe (mit nationalem Porto), die Grünen stellen Geschlecht vor Kompetenz und die Blauen träumen von einem rechtem Europa der abendländischen Vaterländer. Mit dieser Strategie wird auch der derzeitige Korruptionsfall fortgeführt werden: Medien und heimische Politik werden uns das Sinnbild eines abgehobenen EU-Konglomerats, geschmiert mit Geldern der Konzernen vermitteln. Die Politikverdrossenheit wird damit – auch aufgrund fehlender Alternativen – weiter steigen.

Eine weitere Erkenntnis zeigt allerdings die Veröffentlichung der Videos: Während früher vom mangelnden Verständnis für Interessenskonflikte einheimischer Politiker nur hierzulande Notiz genommen wurde, dürfte dies mittlerweile über die Grenzen hinaus bekannt sein. 60 EU-Abgeordnete wurden von den Reporter der Sunday Times angeschrieben, aber nur drei Abgeordnete aus Österreich, Slowenien (Rang 27 im "Corruption Perceptions Index (CPI) 2010") und Rumänien (CPI Rang 69) antworteten auf die potentielle Lobbyismus-Anfrage. Österreich steht derzeit auf Platz 15 im CPI-Ranking. Mal sehen, wie lange noch.









Ausschnitte aus: "Wie säubert man ein Ministerium?" - Öffentliche Lesung der Strasser-Mails mit Herwig Haidinger, Erwin Steinhauer, Peter Pilz:

Geschlecht und Internet

16. März 2011 21:47 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

In den Anfangstagen des Internets waren viel weniger Frauen als Männer im „World-Wide-Web“ anzutreffen. Diese Zeiten haben sich zum Glück geändert. Mit dem Durchbruch des Webs als Massenmedium verschoben sich auch die Geschlechterverhältnisse. Im „Social-Web“ haben Frauen schon die Führungsrolle übernommen.

Detailliertes Zahlenmaterial liefert die Studie „Women on the Web“, veröffentlicht im Juni 2010. Betrachtet man die globale InternetBenutzung, kann hier noch von einem Gender-Gap gesprochen werden: Erst 46 % aller Internet-NutzerInnen weltweit sind weiblich. Im Gegenzug verbringen Frauen allerdings 8% mehr Zeit online als Männer. Online genutzt werden von Frauen hauptsächlich SocialNetworks, E-Mail und Instant-Messaging. Aber auch in der Benutzung von Blogs oder Ausbildungs-Websites liegen Frauen (knapp) vor Männern. Betrachtet man die Verteilung der Geschlechter auf großen Social-NetworkingPlattformen, so kann bei Mainstream-Portalen eine Mehrheit an weiblichen UserInnen festgestellt werden – bei Facebook sogar ganz deutlich: über 60% aller UserInnen sind hier Frauen. Auch bei der Microblogging-Site Twitter sind 55% der BenutzerInnen weiblich. Noch nicht die Mehrheit an den UserInnen stellen sie auf dem in den USA sehr beliebten Karriereportal linkedin.com und der Social-Bookmark-Plattform delicious.com. Beide Plattformen haben noch eine dünne männliche UserInnenmehrheit. Als Datenbasis für diese Zahlen diente Google AdPlanner.

Über das biologische Geschlecht hinaus

Bei der Erstellung eines Online-Profiles, sollte eigentlich das biologische Geschlecht gar nicht so wichtig sein. Genau diesen Umstand trägt der Facebook-Konkurrent Diaspora auch Rechnung. Das „Gender“-Feld beschränkt sich dort nicht auf eine Auswahl zwischen „männlich“ oder „weiblich“ – es ist schlicht ein freies Textfeld, das die Eingabe beliebiger Begriffe ermöglicht. Das Blognetzwerk Metafilter, das dies schon lange erlaubt, veröffentlichte sogar eine Liste der eingegebenen Begriffe. Von den 9.325 UserInnen, die bei Metafilter das Gender-Feld ausfüllten, beantworteten nur knapp die Hälfte die Frage eindeutig mit „male“ oder „female“. Der Rest zeugt manchmal von mehr („english gentleman“) und manchmal von weniger („not male“) Kreativität.

Dass sich eine freie Texteingabe im „Gender“-Feld schnell durchsetzten wird, darf leider stark bezweifelt werden – lassen sich doch solche Felder nur schwer für Marketingzwecke auswerten. Und die Marketingabteilungen sind leider noch ganz versessen darauf, nach Geschlechtern zu trennen.

Erschienen im URBImagazin 02/11

Sprache ist eine Waffe

14. März 2011 21:21 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Inwieweit können bewusst gewählte Worte Einfluss auf die Realität nehmen? Erschafft ein politisch korrekter Sprachgebrauch tatsächlich eine bessere Welt?

Zuallererst: Der Vorwurf von „Political Correctness“ als Totschlagargument, ja gar als „Meinungsdiktatur“, wie er von (ganz) rechter Seite so kommen mag, ist ausgemachter Blödsinn und darüber sollen hier auch keine Worte verschwendet werden. Was aber zur Debatte steht: Wie sehr das Anpassen und Aufpassen zur reinen Alibihandlung zu verkommen droht und dem eigentlichen Ansinnen damit zuwider läuft.

„Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf“, schrieb schon der begnadete Satiriker und Pazifist Kurt Tucholsky. Von der Schärfe ist heute oft nichts mehr zu spüren. Einem stumpfen Buttermesser gleich, wird sie von all jenen zurechtgebogen, die meinen, etwas zu sagen zu haben. Nur nirgends anecken, nur keine Stellung beziehen und in aller Deutlichkeit: nur keine deutlichen Aussagen treffen. Von allzu glatt Geschliffenem bleiben dann nur mehr jene Worthülsen übrig, die man heute Wirtschaftstreibenden oder Politikern so gerne vorwirft. Beschönigung als Hauptzweck, da die Realität nicht zugemutet werden soll.

Die bewusste sprachliche Diskriminierung mittels abwertender Begriffe zu umgehen, ist eine Schwierigkeit an sich. Eine unter dem Begriff „Euphemismus-Tretmühle“ bekannte Entwicklung besagt, dass jeder Euphemismus früher oder später die negative Konnotation seines Vorgängers übernimmt. Die bestehenden Vorurteile heften sich so auch an die neuen, vermeintlich neutraleren Begriffe.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Eine Verwendung von diskriminierenden Begriffen verböte eigentlich schon der Anstand und Respekt. Mit Sprache jedoch verknüpft sind die Denkmuster des Sprechenden. Und genau hier darf kritisch hinterfragt werden: Ist eine Verwendung von positiv besetzten Ausdrücken bei gleichbleibender Geisteshaltung der Sprechenden alleine schon Fortschritt? Die Verwendung von nichtdiskriminierender Sprache ist dann eine billige Augenauswischerei. So freut es das Publikum zwar vielleicht, wenn der Geschäftsbericht des Handelskonzerns geschlechtsneutral formuliert wurde. Der Kassiererin an der Kassa jenes Konzerns wäre mit einer Anpassung ihres Lohnes an ihre männlichen Kollegen trotzdem mehr geholfen. Und dem Migranten, wenn er nicht mehr sprachlich alleine auf seine Herkunft reduziert werden würde, sondern auch einen Job fände.

Sprache lässt sich nicht auf eine absolute Neutralität zurechtstutzen. Ihr wohnt immer eine Subjektivität und Undeutlichkeit inne. Anders in der Mathematik, wo Ermessensspielraum bei Aussagen verpönt ist. Und gerade mit dieser Subjektivität, mit ihrem Witz und ihrer Ironie, lässt sich mehr erreichen, als mit vorgefertigten Floskeln aus dem Beschönigungsbauchladen. Wetzt also wieder mehr eure Messer.

Erschienen im URBImagazin 02/11

online

14. März 2011 21:14 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

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