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Technologie, Landwirtschaft und eine Prise Politik.

Angst

2. Juli 2013 11:52 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Warum kein Wort zu irgend jemandem, kein Hilfeschrei? Weil das Leben sich nur noch von Sekundenbruchteil zu Sekundenbruchteil weiter quälen kann; weil ein Quäntchen Kraft übrig sein müsste, um sich auch nur zu rühren. […] Mitten auf dem Gehsteig überfällt sie mich, irgendwelche Angst, Lebensangst, Weltangst; ich weiß nicht recht, wie mir geschieht. Sie ist diffus wie ein Neben. Ein Loch tut sich in mir auf, die Welt um mich herum versinkt zum tristen Nichts. […] Im inneren Machtspiel des Selbst ist Angst im Zweifelsfall stärker als das denkende Ich. […] Angst ist der profunde Einblick in den Aufbau und die Zusammensetzung von Wirklichkeit und Welt, in das untergründige Sein, das gegenüber allem vordergründigen Schein faszinierend und erschütternd in seiner Nacktheit ist. Alles wird zu nichts in der Angst. […]

Aber nur wer tief unten ist, sammelt die Kräfte für den Weg nach oben. Am Anfang von so vielem ist die Angst.

Wilhelm Schmid (2007): Mit sich selbst befreundet sein – Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst. Suhrkamp: Frankfurt/Main

Rücktritt als Vorstandsmitglied der Piratenpartei

2. Januar 2013 18:49 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (2) | Kommentare via RSS

Ich bin als Mitglied im Vorstand der steirischen Piratenpartei zurückgetreten. Der Rücktritt hatte keinerlei politische Gründe, nur persönliche, die es mir schweren Herzens nicht erlauben den Verpflichtungen eines Vorstandsmitglieds nachzukommen.

Im Herbst geriet mein Leben völlig aus den Fugen und es ist immer noch nicht in geregelte Bahnen zurückgekehrt. Es tut mir leid, in diesen spannenden Zeiten – nachdem die Piratenpartei in den Gemeinderat eingezogen ist und die Arbeit erst richtig beginnt – diesen Schritt setzen zu müssen. Der Piratenpartei bleibe ich weiterhin natürlich als kritischer Geist und Unterstützer erhalten.

Mein Nachfolger im Vorstand wird Marcel Matz (Gewählt als Nachrückerkandidat auf dem letzten Landesparteitag).

"Denkt denn niemand an die Kinder!?" – Aufwachsen in der Postprivatsphäre – Vortrag auf der #Spack1

19. November 2012 19:19 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Das Abbild als Kleinkind mit Nutella-verschmiertem Gesicht, früher im Privatsphäretresor des Familienalbums weggesperrt und nur zu besonderen Anlässen (zB. neuer FreundIn) entstaubt, findet sich nun in aller Öffentlichkeit wieder. Gutmeinende Eltern dokumentieren fotoreich und öffentlich das Heranwachsen ihres Nachwuchs, wobei der Social-Graph der zukünftigen Generation schon bei T -0.75 beginnt: der Account ist vor dem Menschen da.

Welche Folgen hat das gesharte Heranwachsen für die Kinder? Dürfen sie sich später im mündigen Altern noch auf informationelle Selbstbestimmung berufen, wenn bereits hunderte Fotos in die Öffentlichkeit entfleucht sind?



Warum die Piratenpartei eine Chance verdient hat

16. November 2012 21:27 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (0) | Kommentare via RSS

Oder: Eine Stimme für die Piraten ist niemals eine verlorene Stimme

Thomas und Michael nahmen die Wahl zu Anlass, ihre Präferenzen für den kommenden Grazer Gemeinderat kundzutun. Ich will mich dem anschließen, jedoch mit abweichendem Ziel. Weniger geht es mir um die Abgrenzung der Piraten zu anderen Parteien – eine objektive Meinung über den politischen Mitbewerb spreche ich mir anständigerweise nicht zu – sondern um Darstellung dessen, warum man der Piratenpartei Graz seine Stimme gegeben soll. Dies soll kein Beitrag eines braven Parteisoldaten werden, sondern mehr ein Blick aus dem Inneren des politischen Elfenbeinturms; subjektiv aber ehrlich. Denn, was die Piraten nun sind, ist oft im Unklaren. Gerne wird argumentiert es genüge, dass die Piraten „frischen Wind brächten“. Als politisches Argument ist es jedoch dürftig, wissen LandbewohnerInnen nur zu gut, dass Winde auch gehörig stinken können.

Vor gut einem Jahr sprach ich der Piratenpartei noch ab, jemals eine bestimmende politische Partei zu werden. Jetzt, wo ich selbst im Räderwerk mittendrinnen bin, kann ich sagen, dass über die vergangenen Monate ein Wandel stattgefunden hat. Ein Wandel, dessen Konsequenzen nicht immer schön waren, im Nachhinein jedoch notwendig erschienen.

Ein großes Missverständnis außerhalb – und auch innerhalb – der Piratenpartei ist die Zuschreibung der „Ideologielosigkeit“. Das stimmt nicht, denn wirft man einen Blick auf das Parteiprogramm finden sich klassische Merkmale einer sozialliberalen Gesinnung. Eine revolutionäre Ader wie die KPÖ oder eine lange Geschichte wie die Sozialdemokratie, beides freilich kann die Piratenpartei nicht bieten. Aber sie versteht, dass Freiheit ohne soziale Gerechtigkeit keinen Wert hat. Nur wer sein Leben gesichert sieht und gleich dem Gesetz jedem anderen ist, kann wirklich frei sein. Das ist das Wesen der Piratenpartei, der Kern um dessen sich herum alles andere aufbaut.

Ein ebenso falsches Argument lautet, nicht zu wissen, für was die Piratenpartei eintritt und ob sie nicht zu farblos im Gemeinderat agieren täte. Dem ist entgegenzuhalten, dass schon seit längerem Piraten und Piratinnen sich politisch engagieren. Sei es bei Protesten gegen die Privatisierung des LKH-West, der Rettung des Café-Rosenhain oder bei der Partizipation innerhalb der Plattform25: Unbekannte sind die Piraten schon lange nicht mehr. Und mit Philip, Gregor und Martin (um nur die Listenersten zu nennen) stehen Personen an der Spitze für deren Integrität ich gerne persönlich bürge.

Es mag eine kritische Stimme denken, dass für das Aufgezählte eine Piratenpartei nicht nötig ist – findet man den Anspruch auch innerhalb (von Teilen) der Grünen, KPÖ und SPÖ. Dies ist richtig, selbst im ureigenen Gebiet der Piratenpartei – der Internetfreiheit, Transparenz und Bürgerbeteiligung – gibt es in anderen Parteien solide VertreterInnen. Allerdings unterscheidet sich die Piratenpartei dann doch: Sie versteht den technologischen Wandel und ist in ihrer Gesamtheit ein Fürsprecher für alle, denen die Politik bislang Zuwenig bot. Der Zug zu mehr Mitbestimmung und Partizipation innerhalb politischer Prozesse ist nicht aufzuhalten und hier vertritt die Piratenpartei auch jene, die sich bislang ausgeschlossen fühlten und frustriert waren, ob der fehlenden Möglichkeiten.

Zu guter Letzt noch ein Ausblick, ein Zukunftsszenario: Kann die Piratenpartei einen Achtungserfolg einfahren (und dass ist schon ein Einzug in den Gemeinderat) hat dies Signalwirkung auf die Nationalratswahl 2013. Im Medienecho zuerst gehypt und dann fast totgeschwiegen wird ein  Nationalratswahlkampf schon schwieriger genug. Sollte es jedoch klappen, dann weil auch Graz geklappt hat. Und um den Blick noch tiefer in den Kaffeesud eintauchen zu lassen: Mit dem Einzug in den Nationalrat böten sich neue Koalitionsmöglichkeiten und die MandatarInnen der Piratenpartei könnten dann die notwendigen Stimmen einer Stützung von Rot-Grün werden.

 

tl;dr: Die Piraten sind eine gute Partei mit sozialem und technischem Gewissen. Wähle sie, denn sie haben es verdient.

Ich muss mich entschuldigen.

1. Oktober 2012 05:51 von Fuchsy | Permalink | Kommentare (1) | Kommentare via RSS

Ich muss mich entschuldigen. Bei all jenen, die warten dass ich mal wieder melde. Bei all jenen, denen ich manches zusagte und nun warten, dass es passiert. Bei all jenen, wo dringend Dinge fordere, weil ich selbst knapp vor einer Deadline stehe.

Menschen, die mich kennen wissen, dass das eigentlich jetzt keine berichtenswerte Neuigkeit wäre. Als jemand, dem eine Aufgabe nicht genug ist und lieber zwei drei andere Dinge auch noch macht. Eigentlich mag ich es so.

Aber langsam überkommt mir das Gefühl, dass ich es übertreibe. Auf meinen Festplatten liegen dutzende halbfertige Blogbeiträge, halb geschliffen formuliert, fast zu schade zum Wegwerfen aber auch schon komplett outdated. Auf meinem eBook-Reader übersteigt die Anzahl der un- & halbgelesen Bücher die der gelesenen, viele meiner E-Mails beginnen nur mehr mit „Sorry, dass ich jetzt erst antworte“. Und die Liste jener Menschen, die ich unbedingt mal wieder anrufen, sehen, will wird immer länger.

Dies soll jetzt nicht traurig oder gar depressiv klingen. Ganz im Gegenteil: Ich arbeite in einer Firma, die mir Freiraum und Vertrauen gibt. Ich leite eine Zeitschrift, die ich gestalten und verwirklichen kann. Und die politische Bewegung, deren Mitglied ich bin, könnte es schaffen Akzente zu setzen (trotz allem). Daneben gibt es noch die vielen kleinen und kleinsten Dinge – hier ein E-Mail, dort eine Text, da ein Tweet und dann manchmal den Tag am Traktor verbringen oder eine Konferenz besuchen. Im Großen und Ganzen schuf ich mir eine Umgebung die mich entfalten lässt, die meine Vorzüge fördert ohne meine negativen Eigenheiten zu sehr auffallen zu lassen.

Geprägt ist diese Latte an Aufgaben durch Verzicht und fehlende Rücksicht. Nun schon das fünfte Wochenende in Folge durcharbeitend, verspricht wenig Zeit für sich und andere. Energydrinks nur noch Palettenweise zu kaufen und durchgewachte Nächte vor dem Computer zu verbringen empfehlen selten die Lebensratgeber. Irgendwann geht ein solcher Lebensstil sowieso nicht mehr. Trotzdem fällt es schwer von diesen Dingen zu lassen. Ein einfaches „Nein“ kommt kaum über die Lippen, zu spannend sind die bevorstehenden Aufgaben, ein Loslassen geht nicht. Ein cooles Projekt in der Firma, die nächste „Libelle“ oder eine Presseaussendung wollen gemacht werden. Im Ignorieren, dass der Tag auch für mich nur 24 Stunden, hat bin ich mittlerweile ziemlich gut.

Auf der Strecke bleiben die Anderen. Glücklicherweise ernte ich größtenteils Verständnis, wenn Unwissende meine Zeitdefinitionsspanne von „bald“ entdecken (5 Minuten bis 5 Jahre). Wenn ich einen Text dringend brauche, weil der Drucktermin naht. Wenn Monate hinweg kein Lebenszeichen von mir kommt, obwohl interessante Dinge passieren.

Danke.
Das ist eigentlich dass, was ich sagen wollte.

Aber fragt bitte nicht ob und wie es sich ändert, ändern muss oder soll. Das weiß ich jetzt selbst nicht.